28. Der zweite punisohe Krieg (218—202). 155
achtung des Feindes. Da Crispinus aber besorgte, dass Hannibal, der inden Besitz des Siegelringes des todten Marcellus gelangt war, diesen zuirgend welcher List gebraueben möchte, so Hess er sogleich die nächstenStädte vor der Gefahr warnen, der sie ausgesetzt wären. In der Thathatte Hannibal bereits in des Marcellus' Namen an die Einwohner vonSalapia geschrieben, dass sie sich bereit halten sollten, die römische Ar-mee aufzunehmen. Die Einwohner von Salapia, von Crispinus benach-richtigt, verdoppelten ihre Wachen an den Thoren und auf den Wällenund stellten die auserlesensten Krieger der Garnison an die Thore, durchwelche der Feind hereinkommen musste. Gegen die vierte Nachtwache(drei Stunden vor Tagesanbruch) näherte sich Hannibal den Thoren,mit römischen Ueberläufern an der Tete. Aber die Thorwachen zogendas Fallgitter nur bis auf Manneshöhe empor, Hessen ungefähr GOOUeber-läufer herein, schlössen dann das Fallgitter und machten die Eingedrun-genen sämmtlich nieder, während sie die draussen Stehenden von derMauer herab beschossen. Auf diese Weise verunglückte der Plan Han-nibal's, sich durch List der Stadt Salapia zu bemächtigen, und er zognun dem von Cincius belagerten Lokri zu Hülfe. Als er herankam, machteMago, der in Lokri'commandirte, einen kräftigen Ausfall. Die römischenTruppen setzten sich heftig zur Wehre, aber von den Numidiern imRücken angegriffen, Hessen sie ihre Belagerungsmaschinen im Sticheund flohen auf ihre Schiffe.
Auf die Kunde, dass Hannibal sich im Bruttischen befinde, befahlCrispinus dem jungen Marcellus, seine Armee nach Venusia zu führen,er selbst ging mit der seinigen nach Capua, von wo aus er an den Senatdie Bitte richtete, Tarent zu schützen und verständige Männer zur Be-rathschlagung zu ihm zu schicken, da er selber seiner Wunde wegennicht nach Rom kommen könne. Der Senat übertrug dem jungen Fabiusden Oberbefehl über des Marcellus Armee, sandte drei Senatoren zu Cris-pinus und ergriff Massregeln zum Schutze von Tarent und der verbünde-ten Städte.
Im Uebrigen fielen, ausser den oben geschilderten, in diesem Jahrein Süditalien keine besonderen kriegerischen Ereignisse weiter vor, —man kann die Lage auf beiden Seiten eine kriegerische Unthätigkeitnennen, die sich von dieser Zeit an öfter wiederholte.
Weit wichtiger waren die Ereignisse, welche sich in Norditalien,Hispanien und Afrika vorbereiteten, welche mehr und mehr und in dem-selben Maasse Interesse erregen, als die in Suditalien dasselbe verlieren.
Der Proconsul Lävinus war im Sommer mit 100 Kriegsschiffen vonSicilien zur afrikanischen Küste gesegelt, dort gelandet, hatte die Um-gegend von Clupea (h. Kalibiah), unweit Tunis, verwüstet und war danneiner karthagischen Flotte, deren Annäherung in der Stärke von 83