78 III. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
zu können. Was das Fussvolk im Centrum anbelangt, so lag der Anord-nung ihrer Aufstellung eine Kriegslist zu Grunde. Der Vorgang in derSchlackt an der Trebia, wo das Centrum der römischen Armee seineignes Centrum durchbrochen und dadurch die totale Niederlage dergesammten römischen Armee herbeigeführt hatte, veranlasste ihn auchjetzt das Centrum der römischen Armee in die Mitte seiner Aufstellungwie in eine Scheere oder Zange hineinzulocken, aber dafür zu sorgen,dass das römische Centrum nicht wie bei der Trebia durchbrechenkönne, sondern vielmehr von vorn aufgehalten, von den Seiten aberumfasst werde. Deshalb stellte er auch die hispanische und gallischeInfanterie als die schwächere in die Mitte zu lü Mann Tiefe, die afrika-nische aber als die bessere, auf die Flanken 16 Mann tief, und gab seinemleichten Fnssvolk den Befehl, demnächst eine zweite Linie hinter seinemschweren Fussvolk und der Reiterei zu formiren.
Nach beendeter Aufstellung seiner Armee Hess er das Centrum seineshispanischen und gallischen Fussvolks in Form eines vorgetriebenenKeiles in gewissen Abständen von dem dahinter stehenden afrikanischenFussvolk vorrüeken. Der Kampf wurde auf beiden Seiten durch dieleichten Truppen eröffnet und mit gleicher Hartnäckigkeit und gleichemErfolge fortgesetzt. Unterdessen liess Hannibal die Cavallerie des rechtenrömischen Flügels durch Hasdrubal attakiren. Der Choc der beider-seitigen Flügel-Cavallerie war ausserordentlich heftig, das sich ent-spinnende Handgemenge höchst erbittert. Viele der römischen Reitersprangen von den Pferden und fochten zu Fuss, was Hannibal zu derAeusserung veranlasste, dass »sie ihm dadurch an Händen und Füssengebunden überliefert würden«. Endlich wurde die römische Reiterei durchdie überlegene Anzahl und Trefflichkeit der hispanischen und gallischenReiterei überwältigt, durchbrochen, geworfen, verfolgt und ohne Gnadefast ganz niedergemacht. Aemilius Paullus, der schwer verwundet war,entkam mit Mühe und setzte sich an die Spitze des Fussvolks. Währenddieser Zeit hatten dieNumidier, vor dem linken römischen Flügel herum-jagend, diesen sich gegenüber festgehalten.
Das leichte Fussvolk hatte inzwischen von beiden Seiten das Ge-fechtabgebrochen, sich im Laufschritt zurückgezogen, das römische durchdie Intervalle in der ersten und zweiten Linie in die Zwischenräumeder dritten (Triarier), das karthagische hinter die erste Linie als einezweite. Die Manipeln der Principes doublirten in die Intervalle zwischenden Manipeln der Hastati ein und beide gingen nun in einer Linie alsPhalanx formirt, gefolgt von der zweiten Linie der Triarier und Veliten,vorwärts. Bald stiess das Centrum der ersten Linie auf die Spitze desKeils, den Hannibal's erste Linie bildete. und drang mit ungestümemChoc auf sie ein. Das hispanische und gallische Fussvolk, tapfer, aber