20. Der zweite punische Krieg (215—202). 77
derem des Königs Hiero in der Mitte war ziemlich weit vor der Frontder Armee in einer Linie ausgebreitet. Varro übernahm die Führung deslinken Flügels, Aemilius Paullus die des rechten, der Proconsul Semlinsdas Centrum.
Inzwischen hatte Hannibal, sobald er den Uebergang der Römerüber den Aufidus gewahrte, sofort die balearischen Schleuderer undBogenschützen nebst seiner ganzen leichten Infanterie dorthin detachirtmit dem Befehl, sich der römischen Armee gegenüber zu entwickeln undihr seine eigene Aufstellung und Schlachtordnung zu verdecken. Nach-dem er sein Heer in zwei Colonnen über den Aufidus geführt, formirte eres hinter seinem leichten Fussvolk in einer Linie in Schlachtordnung, undzwar die ganze hispanische und gallische Keiterei (8000 Mann; auf demlinken Flügel mit der linken Flanke am Aufidus, 2 / 3 in der ersten, l / 3 inder zweiten Linie, — die numidische Beiterei (2000 Mann) auf demrechten Flügel in einzelnen Abtheilungen vor der Front des ganzen linkenrömischen Flügels, — und endlich sein gesammtes schweres Fussvolk(ungefähr 32,000 Mann), das afrikanische als das beste auf den Flankenin einer Phalanx von 16 Mann Tiefe und in Abtheilungen zu 1000 Mannund bewaffnet mit den von den Römern in den vorhergehenden Schlachtenerbeuteten Waifen, — das hispanische und gallische im Centrum zwischendem afrikanischen, in besonderen Abtheilungen Hispanier und Gallier ab-wechselnd und zu 10 Mann tief. Dem leichten Fussvolk befahl er hinterdie erste Linie zurückzugehen und als zweite sich hinter der Mitte undden beiden Flügeln zu formiren. Er selbst übernahm mit seinem BruderMago das Commando über das Fussvolk, Hanno den rechten, Hasdrubalden linken Flügel.
Die Gründe und der Zweck dieser Aufstellung durch Hannibalwaren folgende:
Die Eile, mit welcher die Römer sich zum Kampfe formirten, Hessdem Hannibal gleich ihre ganze Disposition erkennen, nach welcher erseine eigene traf. Das Beispiel des kurz vorher stattgehabten Avaut-gardengefechtes hatte ihm die Besorgniss erregt, dass die römischeReiterei abermals durch einen Theil des römischen Fussvolks unterstütztwerden möchte, deshalb stellte er seine gesammte beste Reiterei, diehispanische und gallische auf den linken Flügel, und zwar den grösserenTheil in die vorderste, den kleineren Theil in die zweite Linie, da derAufidus ihre Entwickelung in einer einzigen Linie behufs Umfassung derrömischen Cavallerie des rechten Flügels verhinderte. Die numidischeCavallerie dagegen auf dem rechten Flügel hielt er für genügend, umder römischen linken Flügel - Reiterei entgegen zu treten, um so mehr,da er hoffte, auf seinem linken Flügel noch früh genug mit dem Gegnerfertig zu werden, um nöthigenfalls seinem rechten Flügel zu Hülfe eilen