76 III. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 y. Chr.).
Hannibal und früher von Aemilius Paullus gehaltenen Reden steht mitder Wahrscheinlichkeit in keinem Widerspruch, und nur in dieser Hin-sicht verdienen dieselben hier der Erwähnung.
Darauf Hess Hannibal sein Lager stark befestigen und für den folgen-den Tag seine Truppen sich mit Speise stärken und auf den Kampf vor-bereiten ; dann führte er sein ganzes Heer aus dem Lager heraus undstellte es vor demselben, mit dem rechten Flügel am Aufidus, in Schlacht-ordnung auf, als ob er die Römer zum Kampfe herausfordern wolle.Aber Aemilius Paullus rückte nicht aus seinem grossen Lager und be-schränkte sich lediglich darauf, beide Lager stark zu verschanzen unddie Verbindungen und Zufuhr in seinem Rücken durch Wachen zuschützen. Hannibal blieb einige Zeit in Schlachtordnung stehai; als eraber sah, dass die Römer ihr Lager nicht verliessen, kehrte er in dasseinige zurück und schickte nur die numidische Reiterei über den Aufidus,um die Truppen in dem kleinen römischen Lager zu beunruhigen undihnen das Tränken ihrer Pferde im Aufidus unmöglich zu machen. DieNumidier führten nicht allein dies aus, sondern streiften bis dicht an dasLager heran und griffen sogar verwegen die Wachen und Posten des-selben an.
Varro und mit ihm alle römischen Truppen waren ausser sich überdiese Kühnheit und brannten vor Ungeduld, sich in den Kampf zustürzen. Deshalb gab am andern Morgen Varro, da er den Oberbefehlhatte, schon bei Tagesanbruch das Signal zur Schlacht, ohne dem AemiliusPaullus ein Wort davon zu sagen, und führte alle seine Truppen aus demgrossen Lager auf das andere Ufer des Aufidus hinüber, wo er das Terraingeeigneter hielt zur Entwicklung aller seiner Kräfte. Nachdem dieTruppen den Aufidus überschritten hatten, stellte er sie in Schlachtord-nung und zog die Truppen aus dem kleinen Lager heran. Die Reitereider rechten römischen Flanke (2400 Mann) lehnte er an das linke Aufidus-Ufer an, indem er sie in einer Linie formirte. In das Centrum stellte errechts die römischen Legionen, links die der Bundesgenossen, nicht inder gewöhnlichen Formation, sondern indem er die Manipeln 10 Mann inder Front und 16 Mann in der Tiefe rangirte, um dem zahlreichenrömischen Fussvolk mehr Tiefe zu geben; im Uebrigen standen die Ma-nipeln in 3 Linien in schachbrettförmiger Ordnung. Es standen solcher-gestalt in Schlachtordnung 15 Legionen Fussvolk, die 16. Legion warmit dem Fussvolk der Extraordinarii (im Ganzen 11,000 Mann) im grossenLager zurückgelassen, um, wenn die Schlacht entbrannt war, Hannibal'sLager anzugreifen. Die Reiterei der Extraordinarii und der Bundesge-nossen (im Ganzen 4800 Mann) stand auf der linken Flanke in einerLinie ohne Anlehnung nach links an irgend welches natürliche Hinder-niss. Das gesammte leichte Fussvolk mit den Bogenschützen und Schleu-