25. Der zweite pimische Krieg (218—202). 75
heftig und brachte die römische Avantgarde in ziemliche Verwirrung..Allein Varro unterstützte sie durch einige dahinter marschirende Cohortender Extraordinarii und nun griffen diese alle zusammen (im Ganzen etwa7000 Keiter, 19,000 Veliten und 12,000 Mann schweren Fussvolks =38,000 Mann zusammengenommen) mit Ungestüm das leichte Fussvolkund die Reiterei Hannibal's an. Der Kampf währte bis zum Abend undwar für die Römer günstig, für Hannibal ungünstig, gegen sein Erwarten;er musste sogar fürchten, dass dies einen schlechten Eindruck aufseinHeer mache. Man muss anerkennen, dass bei der Durchführung diesesKampfes der unfähige Varro besser disponirt hatte als Hannibal, nament-lich dadurch, dass er seine Avantgarden-Cavallerie und die leichtenFusstrup^pn durch schweres Fussvolk verstärkte und unterstützte, wäh-rend Hannibal hinter seiner Reiterei kein schweres Fussvolk zur Unter-stützung derselben hatte und folglich hierdurch im Nachtheil stand,ausserdem aber überlegene Kräfte gegen sich hatte.
Am nächsten Tage war Aemilius Paullus zum Oberbefehl an derReihe. Seine Lage war sehr schwierig: er hielt es mit Recht für ebensounvortheilhaft auf dem Platze stehen zu bleiben, wo das Avantgardenge-fecht geendet und die römische Armee für die Nacht gelagert hatte, alssich in ein Terrain zurückzuziehen, das für das Fussvolk günstiger wäre.Er wählte die Mitte zwischen diesen beiden Möglichkeiten, um die Lageseiner Armee so viel als möglich zu verbessern, seine eigenen Foura-geure zu decken und die feindlichen zn beunruhigen, indem er nämlichV s seiner Armee da stehen Hess, wo sie sich gerade befand, und l / 3 un-gefähr 1300 Schritt vom grossen Lager und noch etwas weiter vom Lagerdes Hannibal auf dem andern Ufer des Aufidus ein Lager beziehen liess.Vielleicht wollte er durch diese Theilung der Armee in zwei Theile fürden Fall einer Niederlage des grösseren Theiles wenigstens den kleinerenretten. Hannibal seinerseits, der erkannte, dass endlich der Augenblicknahe für den so heiss ersehnten und so lange erwarteten Kampf, und beiseinen Truppen den ungünstigen Eindruck des Treffens vom vorigenTage verwischen wollte, versammelte dieselben und hielt eine begeisterndeAnsprache an sie, in welcher er sie besonders auf alle Vortheile desTerrains für sie und die Nachtheile desselben für die Römer hinwies,ihnen ihren Sieg als unzweifelhaft in Aussicht stellte, und ihnen alle dieVorzüge auseinandersetzte, welche sie schon durch die früheren Siege er-reicht hätten und nun durch den bevorstehenden noch erlangen würden; erermuthigte hierdurch seine Truppen und feuerte sie an. Obgleich imAlterthum es allgemein üblich war, dass die Feldherren vor der Schlachtsolche Ansprachen an die Truppen hielten, so kann man doch die wahr-heitsgetreue Wiedergabe derselben, wie sich von selbst versteht, nichtverbürgen. Der Gedankengang aber in den bei dieser Gelegenheit von