74 III- Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v- Chr.).
dass sie weder auf derselben Stelle des schon ausgesogenen Landes stehenbleiben, noch auch näher an Hannibal herangehen könnten, ohne in Ge-fahr zu gerathen ihm eine Schlacht liefern zu müssen, die zu vermeidenihnen befohlen war (als ob es ausser diesen beiden äussersten Fällennicht noch andere Mittel gegeben hätte, wie z. B. gleich dem Fabius so-fort Angesichts Hannibal's ein sturmfreies Lager auf den Bergen zu be-ziehen). Der Senat entschied, dass nichts Anderes übrig bleibe als demHannibal eine Schlacht zu liefern (entgegen dem weisen Grund-satze des Fabius), befahl indessen den Proconsuln damit bis zur Ankunftder neuen Consuln und Legionen zu warten. Der Senat und auch dieMehrheit des Volkes setzten hierbei mit Recht ihre Hoffnung auf denAemilius Paullus.
Nach ihrem und der Legionen Eintreffen in dem Lager der Armeevor Geronium sorgten die Consuln vor allen Dingen für die Verschmelzungder frischen Legionen mit den alten, und für die Formation und Organi-sation ihrer Armeen. Dann suchte Aemilius Paullus mit allen möglichenArgumenten seinen Truppen den besten Muth einzuflössen und stellteihnen vor, dass jetzt der Augenblick gekommen sei, alle früheren Un-fälle, die doch nur die Folgen von Fehlern gewesen, durch einen wirk-lichen Sieg wieder gut zu machen. Am folgenden Tage rückten beideConsuln mit ihren Heeren (deren Stärke sich auf SO, 000 Mann Fussvolkund 7200 Mann Reiterei in Reihe und Glied belief) nach Canusium (h.Canossa^, wo sie, am nächsten Tage eintreffend, ein Lager hinter dieserStadt auf dem rechten Ufer des Aufidus bezogen, 6 römische Meilen (über8 Werst — 1V 5 deutsche Meile) von dem hinter der Burg von Cannä ge-lagerten Hannibal. Aemilius Paullus erkannte, dass« die Umgegend, eineoffene Ebene, für Hannibal günstig, für die Römer aber unvortheilhaft sei,und schlug vor, Hannibal in ein Terrain zu locken, das der Action desrömischen Fussvofks mehr Vortheile biete, als für die der karthagischenReiterei. Aber Varro, ebenso unbedacht als unfähig und unwissend, warganz anderer Ansicht, in Folge dessen zwischen beiden Consuln nichtblos gegenseitige Unzufriedenheit, sondern offener Zwist entstand. Varrowarf in verächtlicher Weise dem Aemilius Paullus das Zaudern desFabius vor, und Aemilius Paullus erinnerte den Varro an die unbedacht-same Kühnheit des Sempronius und Flaminius. Begreiflicher Weisekonnte hieraus nichts Gutes entstehen.
Am Tage nach der Ankunft der Consuln bei Canusium wollteVarro, der an diesem Tage mit dem Oberbefehl an der Reihe war, sichdem Lager Hannibal's nähern. Der Letztere zog ihm sogleich mit demleichten Fussvolk 8000 Mann) und der Reiterei (10,000 Mann) entgegenund attakirte damit die im Marsch befindlichen römischen Truppen alssie gerade Canusium erreichten. Der erste Zusammenstoss war sehr