72 III. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
als die Umstände durch die Menschen bestimmt werden, nicht vor derZeit unreife Pläne schmieden. Er wünsche nur, dass Dasjenige, wasman mit Vorsicht und Bedacht unternehme, erwünschten Erfolg habe.Verwegenheit sei nicht nur thöricht, sondern sei auch bisher unglücklichgewesen.« Die Historiker sagen, dass bei dieser Gelegenheit Fabius demAemilius Paullus die Notwendigkeit auseinandergesetzt habe, nichtvon dem von Fabius innegehaltenen Verfahren abzuweichen, woraufAemilius Paullus erwiderte, dass, wenn der Dictator selber sogar Nichtsvermocht habe gegen die Intriguen seines Magister equitum, esrfür ihn,den einen Consul, um so schwerer sein müsse, seinem Amtsgenossenentgegenzutreten. »Ich selbst«, fügte er hinzu, »bin kaum vor einigenJahren dem Brande des Volkshasses entronnen; ich wünsche, dass Allesso gut als möglich ablaufe, sollte aber Missgeschick eintreten, so will ichlieber unter den Streichen der Feinde fallen, als aufs Neue mein Hauptdem Grimm meiner Mitbürger preisgeben.« Diese Worte des Varro unddes Aemilius Paullus charakterisiren hinlänglich einen Jeden von ihnenund erleichtern das Verständniss der folgenden Ereignisse.
Nach der Aushebung der neuen Legionen leisteten die neu ausge-hobenen Truppen, Fussvolk und Beiter, nicht den gewöhnlichen, son-dern einen neuen Eid: nie die Flucht zu ergreifen, nie dieGlieder zu verlassen, ausser um Waffen oder Schanz pfählezu holen, einen Feind zu erschlagen oder einen Mitbürgerzu retten. Auch diese neue Eidesformel muss man bei Betrachtungder folgenden Ereignisse im Auge behalten.
Hannibal war indessen in seinem Winterquartiere bei Geronium nichtnur bis zum Anfang des Frühjahrs, sondern bis zum Monate Mai ge-blieben, als auf den Feldern in Apulien schon die Saat zu reifen begann,eine Unthätigkeit-, die weder Polybius noch Titus Livius genügend er-klären, und die für uns unbegreiflich und sonderbar bleibt, wie somanches Andere in diesem Feldzuge von Seiten Hannibal's. Seine Armeehatte doch, wie man annehmen muss, während dreier Monate sich hinläng-lich erholen, retabliren und mit Lebensmitteln versorgen können. WarteteHannibal die Ernte ab ? oder auf irgend welche günstige Wendung derDinge in Süditalien ? Man weiss nur, dass alle von ihm bei Geroniumaufgehäuften Lebensmittel-Vorräthe aufgezehrt waren, und dass die Um-gegend ihm keine neuen zu liefern vermochte, weil der römische Senatden Landbewohnern befohlen hatte, alle Vorräthe in die Städte zu bringenund weil das, was dann noch übrig blieb, von den Truppen der einen wieder anderen Seite weggenommen wurde. In Folge dessen war es fürHannibal ganz unmöglich bei Geronium stehen zu bleiben — ausMangelan Lebensmitteln, und musste er nothwendiger Weise den Ort seinerAufstellung wechseln, um wel che zu erlangen. Zugleich aber wollte