26. Der zweite punische Krieg (218—202). 71
Mann verbündeter Reiterei oder 8100 Mann Cavallerie, — zusammen also98,100 Mann, — eine Streitmacht, wie sie in gleicher Anzahl die Römernoch gar nicht aufgestellt hatten. Der Senat war endlich zu der Üeber-zeugung gelangt, dass eine ausserordentliche Kraftanstrengung zur Ab-wehr des drohenden Feindes unerlässlich sei, der den Staat im eigentlichenCentrum seiner Macht angriff, und dass man deshalb 8 Legionen statt dergewöhnlichen 4 aufstellen müsse, um wenigstens mit bedeutenderUebermacht dem Hannibal entgegen zu treten. Dabei beging aber derSenat den grossen Fehler, eine zu geringe Zahl von Cavallerie (8100 Mann)aufzubringen, gegenüber der 10,000 Mann starken und ausserdem alten,kampfgeübten und vorzüglichen Reiterei Hannibal's, zu der auch 2000Mann auserlesene numidische leichte Reiter gehörten, während die Reitereider Römer und Bundesgenossen zum grösseren Theile (über 5000 Mann)Rekruten waren, ohne Erfahrung und der karthagischen weit nachstehend.Die Cavallerie war also die schwache Seite in der Zusammensetzung derrömischen Armee. Hiero, der König von Syrakus, schickte 1000 Bogen-schützen und Schleuderer, 300,000 Metzen Weizen und 200,000 MetzenGerste, und gab zugleich den Rath, eine Diversion nach Afrika auszu-führen. Der Senat gab dem nur zur Hälfte Folge, indem er 25 Fünfru-derer zu der Flotte des Proprätors Otacilius nach Sicilien abgehen liessund es dem Ermessen desselben anheimstellte, nach Afrika überzusetzen,wenn er dies für vortheilhaft hielte. In Italien vereinten die Consulnunter ihrem Befehle die 4 Legionen, welche bei Geronium standen, unddie 4 neu ausgehobenen, der Prätor Postumius aber wurde mit einerrömischen und einer Bundesgenossen-Legion in das cisalpinische Galliengesandt. Den beiden Scipionen in Hispanien wurde ihr Commando aufein Jahr verlängert, auch erhielten sie frische Verstärkungen, um denKrieg energisch fortfuhren zu können.
Die neuen Consuln hielten vor ihrem Abgange von Rom zur Armeenoch Ansprachen an's Volk, welche in ihrer Verschiedenheit von einanderschon gleichsam die kommenden Ereignisse vorhersehen Hessen. Derrohe und jähzornige Varro beschuldigte die Aristokratie, Hannibal nachItalien geführt zu haben, wo er noch lange bleiben werde, wenn dieArmeen solchen Männern wie Fabius anvertraut würden; er (Varro) werdeden Krieg gleich am ersten Tage, da er den Feind sehe, mit einem glän-zenden Siege beenden! Aemilius Paullus hingegen sprach mit Würde,klug und der Wahrheit gemäss: »er wundere sich, wie irgend ein Feld-herr , ehe er sowohl das eigene als das feindliche Heer, die Lage derOerter, die Beschaffenheit der Gegend kenne, schon jetzt, noch in derStadt stehend, wisse, was er im Felde zu thun haben werde, und sogarden Tag voraussagen könne, wo er dem Feinde eine Feldschlacht zu lieferngedenke. Er seinestheils wolle, da die Menschen mehr durch die Umstände,