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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 3 (1875) Vom Beginn des zweiten punischen Krieges bis zum Anfang der Kriege Julius Cäsars in Gallien : (218 - 58 v. Chr.)
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26. Der zweite punische Krieg (218202). 61

verwundert, musste bald zu der Ueberzeugung kommen, dass Fabiuskein Sempronius oder Flaminius sei. Da er ihn indessen in Versuchungführen wollte, so begann er rundum das Land der römischen Bundes-genossen zu verwüsten, indem er häufig seinen Lagerplatz änderte, raschvon einem Orte zum andern zog, und den Truppen des Fabius Hinterhaltelegte. Aber Fabius beschränkte sich darauf, den Bewegungen Hannibal'svon ferne auf den Bergen zu folgen, nicht zu nahe, um jeden Kampf zuvermeiden, und nicht zu fern, um ihn nicht aus den Augen zu verlieren.Seine Truppen hielt er beständig im Lager zurück und schickte sie nichteinmal auf Fouragirungen aus, was er übrigens auch nicht nöthig hatte,da er alles Nöthige von rückwärts her erhielt. Im Lager hielt er aufstrengste Disciplin und auf die genaueste Handhabung des Lagerdienstes.Wenn aber Hannibal's Fourageure sich zu nahe heran wagten, so triebdes Fabius Reiterei und leichtes Fussvolk sie mit Verlust zurück, und aufdiese Weise that Fabius dem Hannibal Abbruch, indem er zugleich inseinem eigenen Heere das Selbstvertrauen wieder etwas hob.

Dieses verständige, vorsichtige und den Umständen vollkommenentsprechende Verhalten des Fabius hat mit Recht die Bewunderung unddas Lob der alten und neuen Historiker gefunden. Seine sehr triftigenGründe waren: 1) die geringe numerische Stärke seiner Armee, nur36,000 Mann zu Fuss und 3600 zu Pferde, und 2) deren Zusammen-setzung aus lauter neu ausgehobenen noch unerfahrenen Truppen, wäh-rend Hannibal's Armee aus alten in Strapazen und Kämpfen gestähltenKriegern bestand, denen kein Rückzug mehr offen stand, keine Hoffnungauf Verstärkung blühte, sondern die nur Sieg oder Tod vor Augen hatten.Deshalb musste Fabius nun auch sein Heer allmälig an Beschwerden undKämpfe gewöhnen. Aber dem Hannibal gefiel dieses Verhalten desFabius gar nicht, da er erkannte, dass seine Armee auf diese Weise ohneKampf aufgerieben werden müsse, und ebensowenig gefiel es demMinucius Rufus, der mit Sempronius und Flaminius sehr viel Charakter-älmlichkeit hatte und daher die Vorsicht des Fabius Trägheit und Mangelan Muth nannte, und unaufhörlich darauf drang, dass man dem Feindemöglichst bald eine Schlacht liefern solle.

Hannibal, auf alle Weise bemüht, Fabius zum Kampfe zu bewegen,war inzwischen nach Samnium gezogen, hatte das Gebiet der Stadt Be-neventum verwüstet und die stark befestigte Stadt Telesium eingenom-men , in welcher er reiche Beute fand. Fabius folgte und beobachtetevon ferne, immer den Kampf vermeidend. Das veranlasste Hannibalendlich, nach Campanien zu ziehen, der reichsten und fruchtbarsten Pro-vinz Italiens, wo er reiche Beute und Ueberfluss an Wintervorräthen zufinden erwarten konnte. Hierdurch hoffte er, entweder Fabius zumKampfe zu zwingen, oder andernfalls einige der mit Rom verbündeten