26. Der zweite punisohe Krieg (218—202). 59
von Meldung und sendete Maharbal mit einem Theil der Reiterei und desleichten Fussvolks dem Centenius entgegen. Centenius büsste imKampfe mit ihm die Hälfte seiner Reiterei ein, der Rest wurde am fol-genden Tage gefangen genommen. Nun sah sich der Senat genöthigt,zu ausserordentlichen und entschiedenen Massregeln zu greifen, um nichtnur das römische Gebiet, sondern Rom selbst zu schützen. Dem Gesetzegemäss gab es nur ein Mittel, die Wahl eines Dictators. Aber denDictator musste einer der Cousuln vorschlagen , und einer derselbenwar gefallen, der andere abwesend. Deshalb beschloss der Senat, einenDictator vom Volke wählen zu lassen, aber, aus Achtung vor dem Gesetze,um es nicht zu verletzen, unter der Bezeichnung als Pro dictator. DieWahl des Volkes fiel auf Quintus Fabius Maximus Verrucosus,und dieser wählte zum Magister equitum oder Reiterbefehlshaber denMarcus Minucius Rufus. Fabius war bereits bejahrt, hatte sichschon früher mehr als einmal durch Kriegsthaten ausgezeichnet und ver-einigte Muth und Entschlossenheit mit Weisheit, Scharfsinn und Vorsicht.
§. 170.
Fabius Dictator. Marsch Hannibal's nach. Apulien und Campanien.
Seine und des Eabius Operationen. Ereignisse in den Engpässen
des Berges Callicula und bei Geronium.
Die ersten Massregeln des Fabius und Minucius waren die Befesti-gung Roms, Aufstellung von Wachen und Abbrechen der Brücken. Dann,nach Berathung mit dem Senate über die Kriegsoperationen und die dazuerforderlichen Streitkräfte, befahl Fabius dem Minucius zwei Legionen aus-zuheben, denen er als Sammelpunkt Tibur (heute Tivoli) bestimmte, undden Bewohnern des platten Landes Hess er ansagen, dass bei Annähe-rung Hannibal's sie ihre Häuser und ihr Getreide auf den Feldern ver-brennen und sich in die befestigten Städte zurückziehen sollten. Daraufwandte sich Fabius persönlich nach Ocriculum (heute Otricoli) an einemlinken Nebenfluss des Tiber nördlich von Rom, um den Oberbefehl überdie bereits dort angelangte Armee des Servilius zu übernehmen; Serviliushatte einige geringfügige Treffen mit den aufständischen Galliern gehabt,ihnen eine unbedeutende Stadt weggenommen und war auf die Kundevon Flaminius' Niederlage am trasimenischen See eiligst nach Rom auf-gebrochen. Fabius trug ihm auf, die Küste Italiens mit einer Flotte zuvertheidigen und ein karthagisches Geschwader zu verfolgen, welcheseinen nach Hispanien segelnden Transport deckte, er selbst kehrte mitServilius' Legionen nach Tibur zurück, zog hier die neu ausgehobenenzwei Legionen an sich und wandte sich dann in das nördliche oder daunische