54 III. Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
überwunden, und Hannibal bezog mit seinem Heere ein Lager nahe demheutigen Florenz.
Dieser Zug durch die Arnus-Sümpfe war, nach dem Uebergangeüber die Alpen, der zweite Fall, dass Hannibal, bei aller seiner Sorgefür die Armee und den einzelnen Krieger nicht zauderte, den beschwer-lichen und gefahrvollen Weg einzuschlagen, wenn er nur zur erfolg-reichsten Erreichung des in erster Linie stehenden, wichtigsten, von ihmbeabsichtigten Zweckes führte, Rom möglichst grossen Schaden zu-zufügen. Dieses grosse Ziel stets vor Augen, schwankte er in der Wahlder Mittel zur Durchführung keinen Augenblick, wenn dieselben seinenTruppen auch noch so grosse Opfer kosteten, sei es in Schlachten, sei esin Marschstrapazen. Und hierin hatte er, wie Alexander, vollkommenRecht, indem er nicht um grösseren Ruhmes willen, sondern zur Erlan-gung des grösstmöglichen Erfolges bisweilen Mittel anwandte, die mitungeheueren Beschwerden, Gefahren und Opfern verknüpft waren.
Seine erste Sorge nach dem Zuge durch die Ueberschwemmungenwar, eingehende und wahre Nachrichten über die Gegend, ihre Bewohnerund Mittel und über den Feind einzuziehen. Aus diesen Nachrichtenging hervor, dass die Bewohner des Landes zum Aufstande gegen dieRömer und zum Bündniss mit Hannibal geneigt waren, dass das Landeines der wichtigsten in Italien war, Ueberfluss an Getreide und Vieh be-sass, und dass Flaminius von heftiger Gemüthsart, äusserst eitel, selbst-süchtig, eingebildet und unwissend war. Hannibal schloss hieraus, dasses ihm nicht schwer sein werde, Flaminius zur Schlacht zu verleiten,wenn er seinen Zorn und seine Selbstsucht reizte. In Folge dessen zoger am linken Arnus-Ufer hinauf und dann auf dem Höhenrande längs derclusischen Sümpfe (heute la Chiana), indem er das Heer des Fla-minius bei Arretium links von sich stehen liess und das Land an seinemWege verwüstete.
Flaminius, hierdurch im höchsten Grade gereizt, berief einen Kriegs-rath und schlug vor, sofort hinter Hannibal nachzurücken und ihm eineentscheidende Schlacht zu liefern. Vergebens stellten die Mitglieder desKriegsraths ihm vor, dass die Vorsicht fordere, zunächst die Vereinigungmit Servilius abzuwarten, bis dahin aber dem Hannibal nur die Reitereiund das leichte Fussvolk nachzuschicken, um die Verheerung des Landeszu verhindern. Flaminius, noch mehr aufgebracht, verliess den Kriegs-rath, gab das Signal zum Aufbruch und zum Kampf und rückte nachCortona. Die Unterbefehlshaber waren hiermit nicht einverstanden, dasHeer aber, das volles Vertrauen in Flaminius setzte und seine Empfin-dungen theilte, glaubte dem gewissen Siege entgegenzugehen. Ausdiesem Grunde vermuthlich marschirte des Flaminius Heer ^7,000 MannFussvolk und 3600 Mann Reiterei) in der zu jener Zeit üblichen Marsch-