25. Der zweite panische Krieg (218—202). 43
bal mit 800 numidischen Reitern aus, das Land der den Römern verbün-deten Gallier zu verheeren, wobei er ihm aber anbefahl, die Gallier mög-lichst zu schonen, um sie sich geneigt zu machen und an sich zu ziehen.
Scipio hatte inzwischen (nahe dem heutigen Pavia) eine Brücke überden Ticinus geschlagen, sie durch eine Verschanzung gedeckt und davorein Lager bezogen, und ging am folgenden Tage auf dem rechten Uferden Ticinus stromauf, einen Theil seiner Reiterei zur Aufklärung vorauf-schickend. Zu gleicher Zeit rückte Hannibal auf dem rechten Ticinusuferstromab. Er sowohl wie Scipio führte am folgenden Tage, nachdem dieausgesandte Reiterei ihnen ihren gegenseitigen Anmarsch gemeldet hatte,persönlich eine Recognoscirung aus, Hannibal mit seiner ganzen Reiterei,Scipio mit der Reiterei und den Veliten; das Fussvolk Hessen Beide imLager zurück. Näher an einander kommend, stellten sie ihre Truppen in-Schlachtordnung : Scipio mit der rechten Flanke am Ticinus, die Velitenund die gallische Reiterei in der ersten Linie, die römische und verbün-dete Reiterei in der zweiten Linie dahinter, — und Hannibal mit der linkenFlanke am Ticinus, die karthagische schwere Reiterei in der Mitte, dieleichte numidische in den Flanken, Alles in einer Linie, so dass seineFrontlinie länger war, als die römische. Die römischen Veliten eröffnetenden Kampf, als sie aber die karthagische Reiterei in Ordnung gegen sichanrücken sahen, flohen sie durch die Zwischenräume ihrer eigenen Ca-vallerie hinter diese. Es entspann sich ein hitziges Reitergefecht, inwelchem beide Seiten sich mehrmals attakirten. Allein die numidischeReiterei umfasste beide Flanken der römischen und griff sie und dieVeliten in beiden Flanken und im Rücken an. Die Veliten warfen sich indie Zwischenräume ihrer Reiterei, engten sie dadurch ein und mischtensich unter sie, und bald war die von allen Seiten angegriffene römischeReiterei in totale Unordnung gebracht, die sich noch dadurch vermehrte,dass Scipio schwer verwundet ward und nur mit Mühe durch seinen17 jährigen Sohn den später so berühmten Scipio Africanus Major) ge-rettet werden konnte. Der grösste Theil der römischen Cavallerie wardzersprengt und floh zum Lager zurück, die übrige trat, den verwundetenScipio schützend, gleichfalls ihren geordneten Rückzug dorthin an. DieRömer erlitten einen bedeutenden Verlust, die Karthager einen nochgrösseren. Hannibal verfolgte die römische Cavallerie nicht, vermuth-lich weil er glaubte , sie werde durch das römische Fussvolk unterstütztwerden, und weil er sich nicht mit seinen Reitern allein in einen allge-meinen Kampf verwickeln und den Zufälligkeiten eines solchen aus-setzen wollte.
Scipio erkannte zu spät die numerische Ueberlegenheit der kartha-gischen Reiterei, zumal auf der ihre Action begünstigenden Ebene, undden grossen Fehler, den er begangen, indem er nicht sein Fussvolk der