42 III. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
dem er seinen Bruder Cnejus Scipio mit einem Heere zur See nach Hi-spanien geschickt hatte, selber zu Schiffe längs der Küste nach Etruriengefahren, bei Pisa ans Land gestiegen, hatte den Oberbefehl über diefrisch ausgehobenen, unerfahrenen und durch die von ihnen erlittenenMisserfolge erschreckten Truppen des Manlius und Atilius übernommenund war in forcirten Märschen zum Padus geeilt, in der Pachtung aufPavia, nahe der Ticinusmündung. Seine Absicht war, Hannibal gleichbeim Austritte aus den Alpen anzugreifen, ehe dessen Armee sich vonden Strapazen des Uebergangs hatte erholen können. Auf dem Marschezum Padus aber erfuhr er zu seinem Erstaunen, dass Hannibal die Alpenb*eits überschritten habe, und wollte dies nun ebensowenig glauben,wie Hannibal die rasche Rückkehr des Scipio und seinen Marsch zumPadus. Nach Ueberschreitung des Padus etwas unterhalb der Ticinus-mündung bezog Scipio ein Lager nahe bei Pavia und bemühte sich, seineTruppen von der Notwendigkeit und Gewissheit des Sieges über Han-nibal zu überzeugen und sie anzufeuern. Dieser Sieg war aber keines-wegs so unzweifelhaft gewiss , denn die Chancen standen nicht günstigfür Scipio. Sein Heer war nur 18,000 Mann Fussvolk und 1800 Reiterstark, und statt auf dem rechten Padusufer sich aufzustellen und Hannibalzu erwarten, hatte er den Fehler gemacht, auf das linke Ufer überzugehen,wo in den weiten Ebenen seine geringe Cavallerie gegen die ReitereiHannibal's nicht mit einiger Aussicht auf Erfolg agiren konnte (welche,wie wir gesehen haben, 6000 Mann stark war). Dieser EntschlussScipio's, Hannibal entgegenzuziehen, um ihm in der offenen weitenEbene mit seiner schwachen Reiterei eine Schlacht zu liefern, war sehrfolgenschwer und nichts weniger als verständig.
Hannibal, der am linken Padusufer entlang zog, wendete seinerseits,um seine Truppen mit dem Gedanken zu durchdringen, dass sie siegenoder sterben müssten, nach des Polybius Worten folgendes Mittel an. ErHess ihnen die in den Alpen gefangenen Gallier vorführen, befahl sie inFesseln zu legen und zu peitschen und frag diese Gefangenen dann,während kostbare Kleidungsstücke, Waffen u. s. w. vor sie hingelegtwurden, wer von ihnen mit dem andern kämpfen wolle um die Erlangungdieser Kostbarkeiten und um die Freiheit. Alle erklärten sich dazu be-reit, und nun wurden Einige durchs Loos bestimmt zu kämpfen. DieTruppen Hannibal's beklagten die nicht am Kampfe Theilnehmenden,sowie die im Kampfe Gebliebenen und beglückwünschten die Sieger, —und nun stellte Hannibal ihnen vor, dass sie genau in derselben Lageseien, denn auch ihnen sei nur die Wahl zu siegen oder zu sterben ge-blieben, — und hierdurch, sagt Polybius, entflammte er sie zum Kampfe.
Als er an den Ticinus kam, schlug er im Lande der Insubrer einLager auf bei Victumuli (nahe dem heutigen Novara) und sandte Mahar-