24. Der zweite punische Krieg (218—202). 33
welche den Pass beherrschten, durch den Hannibal ziehen inusste. Han-nibal blieb in seinem Lager vor dem Pass und schickte die bei ihm befind-lichen Gallier voraus, um das Terrain und den Feind zu recognosciren.Bei ihrer Rückkehr theilten diese ihm mit, dass der Feind die Höhenüber dem Passe nur des Tages besetzt halte, zur Nacht aber in seinenahe gelegene Stadt zurückkehre. Darauf schlug Hannibal am folgendenTage .früh Morgens sein Lager nahe vor dem Eingang zu dem Defileauf; in der Nacht Hess er im Lager die Feuer anzünden und ging dannpersönlich mit seinen auserlesenen Truppen in den Pass, ihm folgten dieübrigen Truppen und an der Queue die Bagage, die Elephanten und zu-letzt die Reiterei. Mit der Avantgarde besetzte er noch in der Nacht dieHöhen über dem Engpass; die Allobroger fanden sie am Morgen, als siekamen, bereits besetzt und brachen nun aus Seitenschluchten auf dieQueue von Hannibal's Heer, die Bagage und Reiterei hervor und brachtendiese derart in, Unordnung und Verwirrung, dass Hannibal genöthigtwar, mit seinen Truppen von den Anhöhen herabzueilen, um die Gallierabzuwehren. Indem er die Einen tödtete, die Anderen in die Fluchtschlug, brachte er sein Heer glücklich durch das Defile und wandtesich nun direct gegen die gallische nahe gelegene Stadt, die er fast ver-lassen fand und in welcher er sich einer Menge Pferde, Vieh und Vor-räthe bemächtigte. Die Armee erhielt hier einen Ruhetag. Dieser ersteKampf mit den Galliern beim Eintritt in die Alpen (zwischen dem heuti-gen Croix d' Aiguebelle und Argentine, nahe dem Zusammenfluss desAre und der Isere) kostete ihn indessen einen ziemlichen Verlust anLeuten, Pferden, Lastthieren und Bagage und wäre durch die Terrain-beschaffenheit ihm leicht höchst verderblich geworden. Ausserdem hatteer ihn vier Tage (darunter einen Ruhetag) aufgehalten. Es war diesschon gegen Ende des October.
Am 5. Tage nach dem Eintritt in die Alpen brach Hannibal wiederauf und ging, unbehelligt von Seiten des Feindes und ohne Hindernissim Terrain, bald auf dem rechten, bald auf dem linken Ufer des Are undmehr oder weniger nahe am Flusse weiter hinauf durch die Orte, woheute St. Jean de Maurienne, St. Michel, Orelle, Modane und Villarodinliegen. Es findet sich an diesen Orten ein tiefer Thaleinschnitt mitreichen Wiesen von üppigem Wachsthum, auf denen Hannibal zur Nachtsein Heer lagern liess und reichliche Weideplätze für seine Pferde undLastthiere fand.
Am 7. Marschtage kamen zahlreiche Schaaren von Eingeborenen mitgrünen Zweigen und Kränzen, zum Zeichen des Friedens, Hannibal ent-gegen und erklärten, dass sie weder ihm noch sich selber durch ihn Uebleswünschten, sondern ihm friedlich begegnen und Geissein stellen wollten.Hannibal traute ihnen nicht und ging zwar auf ihre Vorschläge ein,
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. I, 3. o