32 HI. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
verweilt hatte, auf dem linken Rhoneufer stromauf bis zum Eintritt derIsere (der altenIsara) in den Rhone, wo er nach vier Tagemärschen durchOrange, Montelimart und Valence ankam. Das gesammte Fussvolk mar-schirte vorauf, dahinter alle Bagage und die Lastthiere, im NachtrabHannibal selbst mit den Elephanten und der Reiterei, um den Marschgegen Scipio's Armee hin zu decken. Von Montfaucon bis zur Isere-mündung betrug der Marsch 600 römische Stadien (etwa 15 deutscheMeilen oder 105 Werst), sodass jeden Tag etwa 3—4 Meilen (über21 Werst) ungestört zurückgelegt wurden.
Am Zusammenfluss des Rhone und der Isere angekommen, welche,nach Polybius und Titus Livius die sogenannte Insel der Allobrogerbilden, nach dem Namen der an der Isere wohnenden gallischen Stämme,fand Hannibal dort zwei Brüder im Kampfe um die Herrschaft über dieAllobroger. Zum Schiedsrichter aufgerufen, entschied er im Sinne derMehrheit des Volkes und nach Anhörung der Häuptlinge, der strengenGerechtigkeit gemäss zu Gunsten des älteren Bruders, Brancus, setzteihn in die Herrschaft ein und erwarb sich dadurch in ihm einen dank-baren und nützlichen Bundesgenossen, welcher ihn mit Lebensmitteln,warmer Kleidung und allem für den Alpenübergang Notwendigen ver-sorgte und sich erbot, ihn bis zum Eintritt in die Alpen zu geleiten.
Dann setzte Hannibal den Zug am linken Ufer der Isere stromauffort durch das Gebiet der Tricastiner. Vocontier und Tricorier (welchealle zum Stamm der Allobroger gehörten), durch die heutigen OrteSt. Nazaire, Grenoble und Gomelin bis Montmeillan und zudem Einfluss des Are in die Isere von links her. In den zehn Tagen diesesMarsches legte er 800 Stadien zurück (circa 20 Meilen = 140 Werst, oder2 Meilen = 14 Werst täglich), ohne von den gallischen Stämmen beun-ruhigt zu werden, vielleicht weil er von Brancus begleitet wurde oderweil die Gallier ihn nicht in wenig bergigem und ziemlich offenem Ter-rain anzugreifen wagten.
§. 162.Hannibal's Uebergang über die Alpen.
Nachdem er 800 Stadien am linken Ufer der Isere aufwärts gezogen,bald näher, bald entfernter vom Fluss, wendete sich Hannibal parallelzu den Windungen desselben von Nordost nach Südwest etwas nachrechts zu dem ersten Engpass, der schon in den Hauptgebirgsstock derAlpen führte. Hier verliess ihn Brancus, der bis dahin ihn geleitet hatteund nun zurückkehrte, und alsbald besetzten die in diesen Gegendenwohnenden Gallier von demselben Hauptstamm der Allobroger die Höhen,