34 III. Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
traf aber doch Vorsichtsmassregeln. Die Eingeborenen stellten Geissein,lieferten auch Vieh und führten die Armee am 7. und 8. Tage weiter.
Am 8. Tage aber griffen dieselben Gallier, welche Hannibal schonam ersten Engpass entgegengetreten waren, sich wieder gesammelthatten und ihm gefolgt waren, ihn von hinten und von den höher liegen-den Bergen gleichzeitig abermals an. als das Heer eine enge tiefe Schluchtpassirte. die schwer zugänglich und an beiden Seiten von Abgründenbegrenzt war. Hannibal's Heer würde in die äusserste Gefahr geratuensein, wenn nicht Hannibal vorher schon die Vorsicht gebraucht hätte.Reiterei und Bagage an die Tete und das Fussvolk an die Queue zunehmen. Dieses Letztere zog den Stoss der Gallier auf sich und schütztedie Colonnen des Heeres vor gar zu grossem Verluste. Nichts destoweniger brachten die Gallier, indem sie gewaltige Steine und Felsblöckevon oben in die Schlucht wälzten, das karthagische Heer in solche Be-stürzung und Unordnung, dass Hannibal gezwungen war, eine ganzeNacht mit der einen Hälfte seiner Truppen auf einem kahlen weissenFelsen (wie Polybius sagt; zuzubringen, um seine Reiterei und Bagagezu decken.
Dieser Ort entspricht dem Engpass zwischen den heutigen OrtenT h e r m i g n o n und L a n s -1 e - B o u r g auf dem rechten steilen Ufer desArcflusses, welches aus ungeheuren vollständig kahlen Felsen be-steht, denen gegenüber auf dem linken Arcufer ein Felsen von weissemGyps liegt, welcher von den Einwohnern le rocher blanc oder leplan de röche blanche oder auch le rocher du plan de la Bor-met t e genannt wird. Der Gipfel desselben bildet ein vollständig nacktesweiss scheinendes Plateau, das am Hange mit Kiefern bewachsen ist.Es konnte sehr wohl dem Hannibal als feste und haltbare Position dienen,von der aus durch seine Bogenschützen und Schleuderer er den Weiter-marsch seiner Reiterei und Bagage vor den Galliern sichern konnte.
Am 9. Tage zogen die Gallier ab und Hannibal stieg weiter hinaufzu dem Uebergangspunkte über den Mont Cenis, immer dem Arcthalefolgend. Bei diesem Zuge wurde er nicht mehr von den Galliern inMassen angegriffen, — nur einzeln, bald vor, bald hinter ihm an geeig-neten Punkten erscheinende Haufen fügten ihm immer noch einige Ein-busse an Lastthieren zu. In solchen Momenten erwiesen sich die Ele-phanten sehr von Nutzen, da sie den Galliern Furcht einflössten und diesestets vor ihnen die Flucht ergriffen. Gegen Mitte oder Ende des 9. Marsch-tages erreichte Hannibal's Armee endlich den Gipfel des Mont Cenis(etwas oberhalb des heutigen Mauthhauses), zu welchem von der sa-voyischen Seite aus der Aufgang einer der leichtesten und wenigst ge-fährlichen in den ganzen Alpen ist. Die Entfernung von Lans-le-Bourg