25. Der zweite punische Krieg (218—202). 29
wenn auch nicht im ganzen Umfange und in voller Klarheit, sieh zu sehrauf sich selbst verliess, die Schwierigkeiten von Hannibal's Unternehmenüberschätzte, ja es für ganz unmöglich hielt, und, was das Wichtigstewar, keinen richtigen Begriff von Hannibal's Charakter und Feldherrn-kunst hatte. Alle seine Massregeln von Anfang bis zu Ende warenfehlerhaft: statt selbst mit allen seinen Streitkräften Hannibal über denRhodanus entgegenzurücken, schickt er nur 500 Eeiter auf Recognos-cirung aus, und bei ihrer Rückkehr zieht er zwar gegen Hannibal aus,kehrt dann aber, da er erfährt, dass Jener bereits zu den Alpen ab-gezogen sei, an die See zurück und schickt seinen Bruder nach Hispanien,während er selbst nach Italien zurückfährt. Statt also ihre Hauptmachtsofort in Front und Rücken gegen Hannibal zu dirigiren und nur einenkleinen Theil derselben nach Hispanien zu senden, zersplittern sie indiesem höchst kritischen Augenblicke ihre Kräfte in unverständiger undunvorsichtiger Weise, treten daher überall schwach auf, namentlichHannibal gegenüber, fast als ob sie absichtlich ihm den Weg nach Italienoffen Hessen. Die grösste Schuld fällt zu dieser Zeit und namentlich amRhodanus auf Cornelius Scipio, welcher gleich dem römischen Senate inunbegreiflicher Verblendung sich befand und handelte. Die Folgen hier-von waren aber ausserordentlich wichtig.
§. 161.
Zug Hannibal's vom Rhodanus zu den Alpen. Abfahrt des Cor-nelius Scipio nach Italien und des Cnejus Scipio nach Hispanien.
So fuhr also zu gleicher Zeit Cornelius Scipio zur See nach Pisaund Cnejus Scipio mit der Flotte nach Iberien, als Hannibal zu den Alpenzog. Aber in welcher Richtung und auf welcher Strasse? Darüber gehenvon hier aus, wenn auch nicht gleich von Anfang an, die Meinungen derneueren Schriftsteller sehr auseinander, welche sich bemühen, Richtungund Weg dieses Zuges Hannibal's zu den Alpen und über dieselben nachItalien auf Grund der Erzählungen des Polybius und Titus Livius fest-zustellen. Denn obgleich diese beiden alten Historiker in ihren Angabenmehr oder weniger übereinstimmen, so liegt dennoch eine Schwierigkeitfür die genügende Lösung der Frage, auf welchem Wege genauHannibal die Alpen überschritten, darin, dass zu jener Epoche, als erdiesen Zug ausführte, der ganze von ihm durchzogene Landstrich zwischenRhodanus und Ticinus oder wenigstens oberen Padus (Po), welcher vonunabhängigen gallischen Stämmen bewohnt war, den Römern gänzlichunbekannt war. Polybius, im Jahre 202 (nach Anderen 204) geboren,besuchte alle Punkte, welche Hannibal bei 'seinem Alpenübergang be-