30 HI. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
rührt hatte, schon 30 Jahre nachher persönlich, konnte auch von altenBewohnern noch die nöthigen Mittheilungen erhalten und beschreibt alleOrte mit grösster Genauigkeit und Treue. Titus Livius wurde fastanderthalb Jahrhunderte später geboren (59 v. Chr.). entlehnt seine An-gaben aus Polybius. hat aber den von Hannibal eingeschlagenen Wegnicht selbst aufgesucht, obschon zu seinerzeit die Alpenpässe den Römernschon weit besser bekannt waren. Da aber Beide jene Landstriche zuder Zeit des Ereignisses, das sie zu beschreiben hatten, noch sehr weniggekannt, Gegenden und Völker ohne bestimmte Namen und feste Gren-zen fanden und keine Möglichkeit sahen, die Oertlichkeit anders als nachihrem allgemeinen und dem grössten TheiL dieser Gebirge gemeinschaft-lichen Charakter zu beschreiben, so mussten sie nothwendiger Weiseuns viel Unbestimmtes bezüglich des von Hannibal verfolgten Wegesund besonders über den Theil in dem Gebirgszuge der Alpen hinterlassen,über welchen Hannibal in Italien einfiel. Deshalb haben viele neuereSchriftsteller des 18. und 19. Jahrhunderts sich mühevollen gelehrtenUntersuchungen zur Aufklärung dieser fraglichen Punkte unterzogen.Aber obwohl ihre Bemühungen Manches aufgeklärt und bald mit grösserer,bald mit geringerer Wahrscheinlichkeit den Weg Hannibal's dargestellthaben, so ist trotz alledem streng genommen diese Frage bis zur Stundenoch ungelöst und wird, wie es scheint, es auch immer bleiben, denn werkann wohl jemals mit Sicherheit behaupten, dass Hannibal factisch dieseneinen und nicht jenen anderen Weg genommen habe ? Nun ist zwar inspeciell kriegsgeschichtlicher Beziehung diese Frage ohne Bedeutung,da es genügt zu wissen, dass Hannibal die Alpen überschritt und diesenZug unter unsäglichen Mühen mit unglaublicher Kühnheit, Umsicht,Ausdauer und Energie vollbrachte, und welchen Einfluss dieser Ueber-gang auf seine Armee, auf den ganzen Feldzug und die folgenden Kriegs-ereignisse gehabt. — indessen muss man doch 1) einen Unterschiedmachen zwischen den mehr oder weniger nahen oder entfernten, leichtenoder beschwerlichen Wegen und Uebergangspunkten und 2) die hierüberaufgestellten Ansichten nicht so kurzweg abfertigen.
Hierbei können von allen diesen Gegenstand behandelnden Werkenvorzugsweise zwei als Anleitung dienen : das Eine — Histoire critiquedu passage des Alpes par Annibal etc., par J. L. Larauza,ancien maitre de Conferences ä l'ecole normale, 8°. Paris 1826, —unddas Andere — Dr. Zander: Der Heereszug Hannibal's überdie Alpen, Hamburg 1823 und 1828, in welchen alle Resultate derneuesten Forschungen gesammelt und kritisch beleuchtet sind. DasErstere ist besonders dadurch interessant, dass der Autor die grössteSorgfalt auf die kritische Untersuchung der Texte des Polybius, TitusLivius und aller neueren Schriftsteller verwendet und sie persönlich auf