25. Der zweite punische Krieg (21S—202). 27
von dessen Mündung, in dem Lande des gallischen Stammes der Volker(Volcae-Arecomici) nahe der heutigen Stadt Roquemaure, nördlich vonAvignon. Von den Pyrenäen bis hierher hatte er, nach Polybius, imGanzen 1600 Stadien (ungefähr 40 Meilen oder 280 Werst) zurückgelegt.Da er diese Stelle zum Uebergang über den Rhodanus geeignet fand, sobewog er durch Unterhandlungen und Geldgeschenke die volkischenGallier, ihm hierzu alle ihre Schiffe und Kähne zu überlassen und auchseinen Truppen zum Bau von solchen behülflich zu sein. Währenddessen sammelten sich die an dem linken Ufer des Rhodanus wohnendencavarischen Gallier dort Hannibal gegenüber, um ihm den Flussübergangzu verwehren. Hannibal aber schickte den Hanno, Bomilkar's Sohn, miteinem Truppeneorps, meist Hispaniern, in der Nacht auf dem rechtenUfer stromauf einen Tagemarsch weit zu einer Stelle, wo mitten im Flusseine Insel lag, — mit dem Auftrage, dort unbemerkt bei Nacht über-zugehen, dann am linken Ufer herabziehend, die Cavarier im Rückenanzugreifen und dem Hannibal durch Anzünden eines grossen Feuers mitvielem Rauch ein Signal zu geben. Dies Alles wurde pünktlich aus-geführt und hatte vollkommenen Erfolg. Sobald Hannibal das Rauch-signal erblickte, begann er über den Fluss zu gehen und die Cavarier,von ihm in der Fronte, von Hanno im Rücken angegriffen, wurden ge-schlagen und zersprengt. Nun Hess Hannibal seine ganze Armee mit derganzen Bagage, den Lastthieren und Elephanten i bei Polybius und TitusLivius sehr ausfuhrlich beschrieben) über den Fluss setzen, lagerte sichauf dem linken Ufer gegenüber der Uebergangsstelle und entsandte, daer erfahren hatte, dass an der Mündung des Rhodanus sich eine römischeArmee (die des Scipio) befinde, 500 numidische Reiter am linken Ufer be-hufs Recognoscirung stromab. So zogen also gleichzeitig 500 Reiter vonjeder Seite einander entgegen. Sie stiessen unweit Hannibal's Lageraufeinander (man nimmt an, dass es etwa bei dem heutigen Sorgues ge-schah) und es entspann sich alsbald ein hitziges Gefecht, in welchem dieRömer 140. die Numidier 200 Mann verloren; endlich wurden die Letz-teren geworfen, die römische Reiterei verfolgte sie bis an Harinibal'sLager heran, das sie noch in Augenschein nahm, und kehrte dann zuihrem Heere zurück.
Die Lage Hannibal's nach dem Uebergang über den Rhodanus warziemlich schwierig: sein Hauptziel war, so rasch als möglich die Alpenzu überschreiten und in Italien einzurücken, es war inzwischen schonder Spätsommer herangekommen, auf der Seite der Alpen befanden sichdie Gallier, auf der Seite des Meeres die römische Armee; wohin er sichwenden mochte, so hatte er im Rücken entweder die Römer oder dieGallier hinter sieh, ja er konnte sogar dem gleichzeitigen Angriff Beiderin Front und Rücken ausgesetzt sein. Aber die Zeit berechnend und fest