24. Der zweite punische Krieg (218—202). 5
entwickelte er alle seine Kunst und es gelang ihm, die vereinten Kräfteder Empörer zu trennen, die er nun vereinzelt schlug und schonungslosvernichtete. Glücklicherweise half ihm Hiero dabei, der König von Sy-rakus, der ganz richtig erkannte, wie Polybius sagt, dass Syrakus seineSelbstständigkeit nur so lange bewahren könne, als Rom und Karthagosich das Gleichgewicht hielten. Im Jahre 237 beendete Hainilkar durchdie Einnahme von Times, in welcher Stadt Mathos seine letzte Rettungund Zuflucht gesucht hatte, diesen für Karthago so bedrohlichen Kriegvollständig und erwarb sich dadurch den Ruhm eines Erretters des Vater-landes , die Dankbarkeit seiner Landsleute und vermehrte sein. seinesGeschlechts und seiner Anhänger Einfluss auf die Staatsangelegenheiten.Rom hatte unterdessen in unwürdiger Weise aus der bedrängten undgefährdeten Lage Karthago's Nutzen gezogen. Die auf der Insel Sardi-nien befindlichen Söldnertruppen hatten sich gleichfalls empört, und alsdie Karthager Massregeln zu ihrer Unterwerfung ergriffen, wandten siesich nach Rom mit dem Ersuchen, sie gegen diese in Schutz zu nehmenund zu unterstützen. Und Rom schämte sich nicht, dies zu gewähren,— ebensowenig wie es im Jahre 264 sich geschämt hatte, den marner-tinischen Räubern Schutz angedeihen zu lassen! Es erklärte dieRüstungen Karthago's für einen Friedensbruch, nahm Sardinien für im-mer in Besitz, und Karthago, zu erschöpft um neuen Krieg aushalten zukönnen, sah sich genöthigt, an Rom noch weitere 1200 Talente zu zah-len , um diesen Krieg zu vermeiden! Nun verwandelte sich die feind-selige Stimmung der Karthager gegen Rom in unversöhnlichen Hass undin Durst nach Rache, der die ganze Nation beseelte, ganz besonders aberden Hamilkar, sein Geschlecht und seine Anhänger. Diese Gefühlewuchsen derartig, dass ihnen alle Grundregeln der Staatspolitik geopfertwurden, welche lange Zeit der Ausdruck der Politik des Hamilkar Bar-kas und seines Geschlechts gewesen waren. Die gegnerische Partei desHanno mit seinem Geschlecht und Anhängern, welche diese Gefühletheilten, bemühten sich indessen nicht minder eifrig um Aufrechthaltungdes Friedens mit Rom. Uebrigens wünschte auch Hamilkar, so sehr erauch den erneuten Kampf mit Rom ersehnte, in hoher staatsmännischerWeisheit dennoch denselben erst dann zu unternehmen, wenn Karthagodie dazu erforderlichen Kräfte und Mittel wieder erlangt hätte. Zu die-sem Zwecke entwarf er einen denkwürdigen Plan und legte ihn derkarthagischen Regierung vor, — den Plan, Karthago für den Verlust vonSieilien, Sardinien, Corsica und den übrigen Inseln durch die Erobe-rung von Hi Spanien Toerien) zu entschädigen.