Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 3 (1875) Vom Beginn des zweiten punischen Krieges bis zum Anfang der Kriege Julius Cäsars in Gallien : (218 - 58 v. Chr.)
Entstehung
Seite
4
Einzelbild herunterladen
 

4 III. Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zu Angustus (32330 v. Chr.).

Staaten des Altertimms hatte schon während des ersten Krieges, den siegegen einander führten, sich in Feindschaft, Erbitterung und Hass ver-wandelt, welche, namentlich auf karthagischer Seite und nicht ohneGrund, mehr und mehr zunahmen. Rom, seiner gewöhnlichen Politikfolgend (II. Theil, 20. Kapitel §. 129), nämlich den besiegten starkenGegner erbarmungslos bis aufs Aeusserste zu schwächen, verfuhr fort-dauernd gegen Karthago nicht allein hart und grausam, sondern ersicht-lich ungerecht, indem es alle Mittel willkommen hiess und als erlaubtbetrachtete, um seine eigensüchtigen Zwecke zu erreichen. Das ersteBeispiel hiervon gab es, indem es Karthago in dem Friedensschluss desJahres 241 äusserst schwere und demüthigende Bedingungen auferlegte, ein zweites kurze Zeit nachher.

Nach Abschluss des Friedens hatte Hamilkar freiwillig den Ober-befehl über die karthagische Armee auf Sicilien niedergelegt und demFeldherrn Giskon die Entlassung der in dieser Armee dienenden Mieths-truppen übertragen. Da die denselben noch zustehende Löhnung einesehr bedeutende Geldsumme repräsentirte, die Finanzen Karthago's aberin hohem Grade erschöpft waren, so liess Giskon die Söldner in kleinerenAbtheilungen allmälig nach Afrika überschiffen, damit die Regierung Zeitund Möglichkeit gewönne zur Erlangung der Mittel, um sie nach undnach zu befriedigen.

Aber die habsüchtigen Söldlinge traten mit Forderungen hervor,welche die Erwartungen und Berechnungen der karthagischen Regierungweit überschritten, sie forderten nämlich die Bezahlung nicht alleindes ihnen zustehenden Soldes , sondern auch für ihre in Sicilien gefalle-nen Kameraden, und Entschädigung für alle ihre dort gefallenen Pferde,und drohten im Weigerungsfalle die reiche Handelsstadt Karthago weg-zunehmen und zu plündern. Als die hierüber bestürzte Regierung ihreForderungen bewilligte, gaben sie den hinterlistigen Einflüsterungen desCampaniers Spendius und des Afrikaners Mathos Gehör, welche ihnen .vorredeten, dass die Regierung nur darauf ausgehe sie zu betrügen, em-pörten sich und beschlossen Karthago zu plündern und sich selber ihrRecht zu verschaffen. In dieser drohenden Gefahr konnte die Regierungihnen nur 10,000 Mann eingeborner karthagischer und afrikanischerTruppen entgegenstellen, der Oberbefehl über dieselben wurde aber, inFolge des Neides und der Intriguen einiger vornehmer karthagischer Adels-geschlechter nicht dem Hamilkar, sondern Hanno übertragen. Hannoverfuhr mit soviel Ungeschick und Unglück, dass die Aufruhrer bald imStande waren, die Stadt Karthago zu belagern, und die den Karthagernunterworfenen Afrikaner (Liby-Phönizier) zu ihnen stiessen. Nun erst,da die Gefahr bereits den höchsten Grad erreicht hatte, wurde der Ober-befehl über die karthagische Armee dem Hamilkar übergeben. Sofort