170 III- Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zum zweiten punischen Kriege.
ungewöhnlich weise*) und gewandteKriegspolitik der römischen Regierung,d. h. des Senats. Wie der römische Senat zu dieser besten Zeit der römi-schen Republik beschaffen war, davon erhält man den bestenBegriff durchden Eindruck, welchen er, nach Plutarchs Worten, auf Cineas , den er-sten Staatsbeamten (Minister) des Pyrrhus hervorbrachte, als dieser vonPyrrhus im J. 279 nach Rom geschickt worden, um Friedensverhand-lungen anzuknüpfen. Cineas, selbst ein schlauer und verständiger Grieche,feiner Politiker und gewandter Redner, verglich, da er von Rom zurück-gekehrt dem Pyrrhus Bericht erstattete, den römischen Senat mit einerVersammlung von Königen, — so überwältigend und mächtigwar der Eindruck, den diese feierliche Versammlung der Väter {patresconscripti) auf ihn gemacht hatte. Sicherlich hätte er in keiner der da-maligen Raths - oder Regierungs - Versammlungen Griechenlands, selbstnicht des berühmten athenischen Areopags, einen ähnlichen Eindruckerhalten! Und die Gesandten, welche der römische Senat dann zuPyrrhus schickte, um wegen der Freilassung der Gefangenen zu ver-handeln, konnten Pyrrhus von der Richtigkeit der Worte des Cineasüberzeugen, ja sie flössten ihm selbst eine hohe Achtung vor dem Charakterder Römer überhaupt und der Senatoren im Speciellen ein. Dieseregierende Versammlung leitete die Kriegspolitik Roms, wie jeden derKriege von Anfang bis zu Ende. Dem entworfenen Plane gemäss rücktendann beide Consuln, oder auch nur einer, einzeln oder zusammen, oderein mit absoluter Vollmacht ausgerüsteter Dictator mit einer, zwei odermehreren Armeen direct, rasch, kühn und entschieden in eine, zwei odermehrere feindliche Länder ein, dahin, wo das feindliche Heer sich be-fand, griffen es ungesäumt in offner Feldschlacht an und suchten miteinem Schlage demselben eine entscheidende Niederlage beizubringen.Das war Ziel und Zweck; die Mittel aber zur Erreichung derselbenlagen in der trefflichen Kriegsorganisation der römischen Truppen, inihren moralischen Eigenschaften, in dem sie beseelenden Geiste und inder Kunst ihrer Führer, eines Papirius Cursor, Fabius Maximus undvieler Anderer, diesen mehr oder weniger gleichenden. Es gab auchAusnahmen: Muthlosigkeit und Panik der Truppen, Lösung der militäri-schen Disciplin, offene Meuterei, Nachlässigkeit und Ungeschick derFeldherren, schwere Misserfolge, harte, ja schimpfliche Niederlagen.Aber diese Ausnahmen waren selten und wurden alsbald doppelt wiedergut gemacht durch ebenso energische wie geschickte Operationender besten Feldherren, und das allgemeine Resultat war immer undüberall der Triumph der römischen Waffen. Unter solchen Verhältnissen,
*) Es ist bekannt, dass Schlauheit und Weisheit im Alterthum Synonymawaren.