| 66 HI. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zum zweiten punischen Kriege.
blinde Appius Claudius auf und hielt in kräftiger, vom Geist des römi-schen Nationalstolzes eingegebener Rede dem Senat vor, dass es sich nurdann initPyrrhus in Friedensunterhandlungen einzutreten gezieme,, wenner den italischen Boden verlassen habe; so lange er aber noch auf dem-selben stehe, müsse gegen ihn mit Aufbietung aller Kräfte Krieg geführtwerden. In Folge dessen wurden die Unterhandlungen abgebrochen undder Krieg begann von Neuem.
Bei Asculum (heute Ascoli) in Apulien, wo Pyrrhus sich einigerStädte bemächtigt hatte, stiess sein Heer wieder mit den römischenArmeen der Consuln Decius Mus und Sulpicius Saverrio zusammen,^und es kam zur Schlacht. Die Kräfte waren auf beiden Seiten fastgleich, etwa 40,000 Mann jede. — allein die sumpfige und sehr durch-schnittene Gegend verhinderte Anfangs den Pyrrhus an der Entwicklungseines Heeres in Schlachtordnung. Der Kampf währte lange und wurdevon beiden Seiten mit grosser Erbitterung und äusserster Tapferkeit ge-führt , endlich mussten die Epiroten weichen. Nun führte, um den ent-scheidenden Schlag zu thun, Pyrrhus seine Elephanten auf grossem Um-wege der römischen Cavallerie entgegen. Die Pferde derselben scheuten,wie bei Heraklea, wandten sich nach rückwärts, und diesen Moment be-nutzend führte das Fussvolk des Pyrrhus einen letzten allgemeinen Vor-stoss aus und bezwang die Römer. Beide Seiten hatten enorme Verlustedavongetragen (an 15,000 Mann), der Consul Decius Mus war geblieben,Pyrrhus von einem Lanzenstich an der Hand verwundet. Die Römer in-dessen hielten Stand in ihrem Lager und Pyrrhus ging nach Tarent zu-rück, — man muss folglich die Schlacht bei Asculum zu den unentschie-denen zählen ; aber in ihren Folgen war sie für die Römer günstiger, alsfür Pyrrhus. Seine Lage in Italien wurde immer schwieriger und ungün-stiger. In zwei heissen Schlachten hatte er seine besten epirotischenOfficiere und Soldaten verloren, von Epirus her Ersatz zu schaffen warihm unmöglich oder wenigstens sehr schwer. Seine Verbündeten inItalien erkalteten, da sie die für ihn ungünstige Wendung der Dinge er-kannten, und unterstützten ihn nur noch schwach. Die Römer dagegenergänzten ihre Legionen und waren> zornig über die erlittenen Verlusteund die Einmischung des Pyrrhus, entschlossen, den Krieg gegen ihn biszum Aeussersten zu führen.
Pyrrhus brachte den Winter 279/278 in Tarent zu, rückte, nachdemer von Epirus einige Verstärkungen erhalten hatte, im Herbst 278 aufsNeue ins Feld und bezog an der Grenze des tarentinischen Gebiets einLager gegenüber dem Lager der römischen Armeen unter den ConsulnFabricius Luscinus und Aemilius Papius. Hier wiederholte Pyrrhus denRömern seine Friedensanerbietungen, die Römer jedoch erwiderten aber-mals , dass nur nach seiner Entfernung aus Italien von Frieden die Rede