21. Kriege der Römer von 343 bis 264. 163
sein musste Krieg zu führen wo es auch sei, endlich weil er, ein äusserstehrgeiziger Herrscher, hoffte auf diese Weise Grossgriechenland fürsich als Königreich zu gewinnen. Von Rom aber, von den Römernund ihren Truppen hatte er äusserst unbestimmte und irrige Vor-stellungen , die Kräfte Roms kannte er nicht, er hielt die Römer für einrohes ungebildetes Volk, und von den römischen Truppen glaubte er,sie siegten nur deshalb, weil sie stets nur noch rohere Barbaren sichgegenüber gehabt hätten. Mit einem Wort, Pyrrhus sowohl, wie dieTarentiner zeigten in diesem Allen im hohen Maasse dieselben Eigen-schaften, wie alle griechischen Völker des Alterthums: Selbstüberhebung,Eitelkeit, Geringschätzung anderer Völker und Leichtsinn. Dafür musstensie aber hart büssen und wurden bitter enttäuscht.
Während dessen war im J. 28 1 , sofort nach /ler römischen Kriegs-erklärung der Consul Aemilius Barbula mit seinem Heere aus Samniumin das tarentinische Gebiet gerückt, hatte es zu verwüsten begonnen,die tarentinischen Truppen in einigen Scharmützeln geschlagen, — undschon neigte man sich in Tarent zum Frieden, als der oberste Staats-beamte des Pyrrhus, Cineas, mit 3000 Mann Fussvolk in der Stadt er-schien , dem Milo mit epirotischen Hülfstruppen folgte. Im Herbst gingAemilius Barbula nach Lucanien zurück und bezog dort Winterquartiere.
Zu Anfang des J. 280 erschien endlich Pyrrhus selbst mit 10,000Mann Epiroten zu Fuss und 50 Elephanten in Tarent, nachdem er bei derUeberfahrt einen heftigen Sturm ausgehalten und eine Menge Scbiffe undLeute dadurch eingebüsst hatte. Mit seiner Ankunft gewann Alles inTarent ein anderes Ansehen. Die Tarentiner, welche doch den Kriegheraufbeschworen hatten , lebten nur in Festen und Lustbarkeiten undUberliessen den epirotischen Truppen den Schutz der Stadt. Pyrrhusaber verbot die Festlichkeiten, schloss die Schaubühne, hiess die Ein-wohner zu den Waffen greifen, Kriegsübungen vornehmen und allenDienst mit den epirotischen Truppen gemeinsam thun. Viele, diediesem Zwange abgeneigt waren, verliessen die Stadt und gingenauf ihre Landgüter. Nun verdoppelte Pyrrhus die Massregeln kriegeri-scher Strenge, in Folge dessen viele Städte Grossgriechenlands sichrömische Garnisonen erbaten, — so auch Rhegium, in welches eine sam-nito - campanische Legion gelegt wurde. Pyrrhus verwüstete das Gebietdieser Städte, sammelte in Tarent 20,000 Mann Fussvolk, 2000 Bogen-schützen und 3000 Reiter nebst 50 Elephanten, und da er bald dieNach-richt von dem Anmarsch des Consuls Lävinus gegen ihn bekam, rückteer ihm entgegen.
Dieser war zuerst in Lucanien eingefallen, das er mit Feuer undSchwert verheerte, und ging von da nach Tarent. Nicht weit von Hera-klea, einer lucanischen Stadt, nahe der Einmündung des Siris (h. Sinno)
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