] 62 III. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zum zweiten punischen Kriege.
grosse Menge griechischer Städte in Grossgriechenland unter RomsSchutz gestellt. Unter diesen befand sich auch die Stadt Thurii, welchevon Lucanern und Bruttiern hart bedrängt wurde.
Im J. 282 sandte der römische Senat zehn Seeschiffe unter Führungdes Cornelius zur Hülfe dorthin. Als diese Flotte vor Tarent in Sichtkam, entstand eine grosse Aufregung im Volke dieser Stadt. Die demo-kratische Partei, welche darin die Oberhand hatte, fürchtete Rom, undihre Führer hetzten das Volk dagegen auf und reizten es zum Angriffauf die römischen Schiffe, von denen vier versenkt, ihre Schiffsbemannungermordet, eins mit aller darauf befindlichen Mannschaft genommen wurde.Nun erklärte Tarent sich zum Beschützer der Demokratie in allen grie-chischen Städten Süd - Italiens und zum Befreier des gesammten Gross-griechenlands. Die demokratische Partei der Stadt Thurii vertrieb dieAristokraten sowie die römische Garnison und schloss ein Bündniss mitTarent.
Dies gab dem römischen Senate die erwünschte Gelegenheit zurDemüthigung Tarents, als der einzigen Stadt in Grossgriechenland,welche vermöge ihres Reichthums Rom erhebliche Kräfte entgegen zustellen vermochte. Der Senat schickte Postumius mit einer Gesandt-schaft nach Tarent, mit der Forderung, dass die gefangenen Römer frei-gelassen , die aus Thurii verjagten Aristokraten wieder dorthin geführtund ihnen Alles, was sie eingebüsst hätten, zurückerstattet werden sollte,endlich dass die Anstifter des Friedensbruches ausgeliefert würden.Postumius aber wurde in der rohesten Weise vom tarentinischen Pöbelbeleidigt, — und nun erklärte im J. 281 Rom an Tarent den Krieg undsandte den Consul Aemilius Barbula, der mit seinem Heere in Samniumstand , gegen Tarent, um es aufs Strengste für die Rom zugefügte Be-leidigung zu züchtigen und die vollständigste Genugthuung zu erzwingen.
Nun erst begannen die Bewohner von Tarent über die Mittel zurVertheidigung gegen Rom nachzudenken. Die Verständigsten unterihnen riethen, man solle Rom die geforderte Genugthuung gewähren,aber die Leidenschaften der Masse des Volks gewannen die Oberhand,und die Regierung von Tarent beschloss, den damals in Griechenland alsFeldherrn berühmten König Pyrrhus vonEpirus zur Hülfe herbeizurufen;und um ihn eher hierzu zu bewegen, verkleinerten sie ihm die MachtRoms und vergrösserten ihre eigene. Ebenso leichtsinnig und unbedacht-sam , wie die Tarentiner den Krieg heraufbeschworen und den Pyrrhusherbeigerufen hatten, ganz ebenso leichtsinnig versprach dieser Aben-teuer suchende König mit einem Heer in Tarent zu erscheinen. Er warhierzu noch um so eher geneigt, als grade zu dieser Zeit seine Absichtenauf Macedonien fehlgeschlagen waren, weil ihm ferner, um sein für seinkleines Reich viel zu zahlreiches Heer unterhalten zu können, erwünscht