160 III. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zum zweiten punischen Kriege.
die Erlangung des gleichen Bürgerrechtes mit den Römern, — bei denUebrigen die Ueberwältigung und Vernichtung Roms. Ihre Anstrengungenin diesem Sinne, die Anspannung aller ihrer Kräfte, ihre Festigkeit,Muth, Beharrlichkeit, sowie ihre nicht ungeschickten Kriegsoperationenverdienen unzweifelhaft Anerkennung und Lob.
Man sollte glauben, dass gegen diese sechs Landschaften und Völkerwohl Rom, diese einzelne Stadt, mit ihren nächsten Bezirken und verbün-deten Stämmen und Städten nicht viel zu bedeuten gehabt habe. Aber sounermesslich war die innere, in der staatlichen, politischen und besonderskriegerischen Organisation dieser einen Stadt begründete und concentrirteKraft, dass sie im Stande war, sowohl mit einzelnen, wie mit mehreren,endlich sogar mit allen ihren Feinden zugleich den Kampf aufzunehmenund 60 Jahre lang durchzuführen, und zwar nicht allein ohne Abnahmesondern vielmehr unter steter Zunahme der Kräfte, indem es die Machtder Gegner in dem Maasse mehr und mehr übertraf, wie diese sich er-schöpfte und abnahm, — und dies wiederum noch mehr in Bezug aufdas moralische Element, als in physischer und numerischer Beziehung.Die Energie und Entschiedenheit des Verhaltens der Römer wuchs stetigund übertraf die Gegner bei Weitem. Es kam vor, dass sie Fehlermachten und schwere Niederlagen erlitten, sogar schimpfliche Demüthi-gungen (wie bei den caudinischen Pässen), dennoch standen sie doppeltso stark wieder da und brachten unvergleichlich öfter ihren Feinden weitschwerere Niederlagen bei, indem sie sie im Kampfe besiegten, ihreStädte unterwarfen, ihre Länder verheerten, und aus der dort gewonnenenunermesslichen Beute ihre eigenen Heere unterhielten, die Kriegskostendeckten und ihren Staatsschatz füllten. In rein politischer Beziehungwar ihr Kriegszweck ein nur defensiver, der Schutz Roms gegen dierundum sich erhebenden Feinde. Aber vermöge der eigenthümlichenNatur der römischen Politik ging dieser Zweck Hand in Hand mit denentschiedensten offensiven Zwecken und Kriegs - Operationen, nämlich— unter gleichzeitiger Sicherstellung Roms — die gegen dasselbe auf-gestandenen Feinde und deren Länder um den Preis der grössten An-strengungen und Opfer der römischen Macht zu unterwerfen. Und hier-bei offenbarte sich die militärische Organisation Roms und seiner Truppen,die moralische Kraft der Regierung, des Volkes, des Heeres, wie dereinzelnen römischen Bürger als so vorzüglich, dass die durch die römischePolitik und die römischen Waffen errungenen Resultate gerechte Be-wunderung erregen. Schon der erste Samnitenkrieg verschaffte Romdie Herrschaft über Campanien; der Krieg mit den Samniten und Cam-panern sprengte den latinischen Bund und unterwarf Latiner und Cam-paner definitiv der Macht Roms; der zweite Samnitenkrieg schwächteund unterdrückte die Samniten und befestigte die Römer in Apulien;