20. Die Römer. 131
Erbauung gleicher Triremen bei sich. Der römische Senat trug einfachden verbündeten Küstenbewohnern auf, Flotten zu erbauen, und dieseerbauten sie, obschon auf Kosten ihrer Existenz. Es ist weit erstaun-licher, dass der römische Senat zu Führern dieser Flotten keine Griechenoder Etrusker ernannte, sondern Römer, die vom Seewesen gar Nichtsverstanden und dennoch Seesiege erfochten. Obgleich im J. 260 der einerömische Consul, Scipio, mit 17 Triremen von den Karthagern umzingeltund gefangen genommen wurde, so errang dafür der andere ConsulDuilius einen vollständigen Sieg über Jene, mit Hülfe des von ihm er-fundenen Raben (corous), eines grossen Hakens, mittelst dessen die römi-schen Dreiruderer mit den karthagischen zusammenhakten und enterten,so dass die römischen Soldaten nun mit den karthagischen auf deren Tri-remen ganz wie auf dem festen Lande kämpften. Die Karthager, welchehierauf gar nicht gefasst gewesen und nun blos zum Manövrircn ge-zwungen waren, wurden geschlagen, haben aber nachher, wie es scheint,ein Mittel gefunden, den von Duilius angewandten Corvus unschädlichzu machen und ihn abzuwehren; wenigstens ist in der Folge nirgendsmehr in der Geschichte von ihm die Rede. Drei Jahre später (257)zwang die Erschöpfung der Mittel die Römer, einen sehr kühnen, aberentscheidenden Plan zu fassen, nämlich den Krieg direct nach Afrika zuübertragen, dessen Ausführung den Consuln Manlius und Regulus an-vertraut wurde, und zwar , wie schon erwähnt, mit 350 Triremen und140,000 Soldaten und Ruderern darauf. Die Consuln befestigten zumTheil ihre Dreiruderer an einander, um sie dicht beisammen zu behaltenund die Kunst der Karthager im Manövriren vergeblich zu machen,formirten ihre ganze Flotte zum Keil oder im Winkel, durchbrachen dieausgedehnte Bogenlinie der karthagischen Schiffe, schlugen sie, versenkteneinen Theil derselben, nahmen einen andern Theil weg und bahntensich den Weg nach Afrika (s. oben XIX. Kapitel §. 119). Als im-J.255 die römische Flotte an der sicilischen Küste durch Sturm unterging,befahl der römische Senat eine neue Flotte auszurüsten und vermehrtedie Zahl der Küstencolonien, welche zu Beginn des Krieges gegründetund verpflichtet waren, alle Lasten des Seekriegsdienstes zu tragen,wofür sie aber für immer vom Kriegsdienst zu Lande befreit blieben[sacrosaneta vocatio). Welche enormen Anstrengungen die Römer zurSee machten und was ihnen das kostete, kann man daraus ersehen, dasszur Zeit der Expedition des Regulus (257—253, in fünf Jahren) sie 700Triremen verloren. Die Seestädte und Colonien waren in solchem Gradeerschöpft, ja ruinirt, dass sie nicht mehr im Stande waren, weder See-schiffe, noch Ruderer aufzubringen, weshalb der römische Senat sichgezwungen sah, den Seekrieg für einige Zeit einzustellen. Im J. 250rüsteten die Römer eine neue Flotte aus, um das von ihnen zu Lande