130 HI. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zum zweiten punischen Kriege.
hatten die Römer keiner Flotte bedurft. Die Notwendigkeit einersolchen stellte sich erst im ersten punischen Kriege heraus, dessen Zieldie Eroberung Siciliens war, — denn dazu mussten Truppen dorthinübergeschifft und eine dauernde Verbindung derselben mit Rom undItalien hergestellt werden. Dabei ist es wieder zum Erstaunen, mitwelcher Energie und Raschheit die Römer, — dies nur an Landkriegegewöhnte Volk—, eine solche Flotte schufen, dass sie schon im Jahre 260(dem fünften Kriegsjahre)-unter Führung des Consuls Duilius ihrenersten Seesieg über die Karthager, und drei Jahre später, 257 (imachten Kriegsjahre) den zweiten mit einer gewaltigen Flotte unterFührung des Consuls Regulus zu erringen vermochten, — einer Flottevon 350 Triremen, auf welcher sich 140,000 Ruderer und Krieger be-fanden ! Seit dieser Zeit hatten sie beständig Flotten auf dem Meere,mit welchen noch während des ersten punischen Krieges sie den Kriegnach Afrika hinüberspielten, die Eroberung Siciliens vollbrachten, Sar-dinien , Corsica und andere Inseln im westlichen Theile des Mittelmeersunterwarfen , und dann , unter Beihülfe der Flotten, in Spanien, Afrika,Macedonien und Griechenland Krieg führten.
Schon zu Anfang des ersten punischen Krieges (264—261) transportirtensie ihre Truppen aus Italien nachSicilien auf Seeschiffen, die sie mitsammtden Ruderern von den Bewohnern der von ihnen unterworfenen See-küsten Italiens, denEtruskern und besonders den griechischen AnsiedlernSüd-Italiens oder Grossgriechenlands genommen hatten. Bald aberüberzeugten sie sich mit dem ihnen eigenen Scharfsinn, dass, um dieKarthager aus Sicilien zu verdrängen, sie dieselben nothwendiger Weiseauf ihrem eigentlichen Elemente, dem Meere, und dann in ihrem eigenenLande Afrika und unter den Mauern Karthagos selbst besiegen müssten.Einmal hierzu entschlossen, sparten sie Nichts, um die Mittel dafür zubeschaffen, und legten die ganze Verpflichtung und ganze Last der Aus-rüstung einer Flotte nach der andern für sie auf ihre italischen undgriechischen die Küste Italiens bewohnenden Bundesgenossen, welchedarunter furchtbar litten und zuletzt zu Grunde gingen. Polybius be-hauptet, dass eine in die Gewalt der Römer gelangte karthagische Triremeihnen bei Erbauung ihrer Flotte zum Muster gedient habe. Das kannaber nichts Andres sein, als eine von Polybius in der Begeisterung fürRoms Ruhm und Preis angewandte rhetorische Licenz. Sie hatten dasnie nÖthig, sondern vollbrachten ohnedies durch Schaffung der Flotteeine ungewöhnliche That. Sie beherrschten alle Seeküsten Italiens, dievon handeltreibenden Seeleuten bewohnt waren, standen im Bündnissmit Syrakus und Messana auf Sicilien, konnten also nicht ohne Kennt-nisse vom Schiffsbau sein, noch Mangel an Schiffsbaumeistern haben undbedurften nicht erst eines karthagischen Dreiruderers zum Muster für die