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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 2 (1874) Vom Tode Alexander's des Grossen bis zum zweiten punischen Kriege : (218 v. Chr.)
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20. Die Römer. 129

Kriegswissenschaft, geschaffen, welche ihrer Meinung nach eben so un-entbehrlich zum Erfolge im Kriege war, wie die gute Organisation, Aus-bildung und Tapferkeit des Heeres und wie die Kriegsbegabung ihrerAnführer. Dabei war aber ihr Heer- und Kriegssystem an seinen Grenzenstehen geblieben. war nicht weiter gegangen, sondern hatte vielmehrdieselben Formen beibehalten , von nirgendsher Etwas angenommen undkeinerlei Veränderungen erfahren. Das römische Volk dagegen, selbstin den besten Zeiten der Republik sehr viel weniger, ja fast ganz un-gebildet , besass andere Vorzüge, in welchen es in kriegerischer Be-ziehung sie weit übertraf, nämlich gesunden praktischen Sinn, das gemein-schaftliche Streben des gesammtcn Volkes auf ein Ziel hin, und denGeist straffer tüchtiger Organisation, Ordnung und militärischer Diseiplin.Die Römer trieben und lernten keine Kriegswissenschaften und begründetenoder schufen Nichts dergleichen, dafür aber übten sie beständig dasKriegswesen mit allen seinen Details, lernten es praktisch bis zur Voll-kommenheit , erhoben es zur Kirnst. und bei dem ersten Zusammen-stoss ihrer zwar ungelehrten aber kriegsgeubten Legionen mit der grie-chischen zwar gelehrten aber nicht kriegstüchtigen Phalanx ward dieseim Augenblick zertrümmert und bald darauf Macedonien und Griechen-land ohne besondere Mühe von ihnen unterworfen. Nach Besiegungund Unterwerfung der Macedonier und Griechen gab es aber keinenebenbürtigen Gegner mehr für sie, weder im fernen Orient, noch imWesten Europas, bis dann ihre staatliche und Kriegs-Organisation sichrasch dem Verfall zuneigte. So lange aber die Römer diese unverändertbewahrten und der Geist aus den besten Zeiten der römischen Republiksie beseelte, waren die Römer in militärischer Beziehung entschiedendas erste und einzige Volk der alten Welt!

Deshalb ist auch ihre Kriegsgeschichte unzweifelhaft, unbedingt,in jeder Beziehung und im vollen Maasse jederzeit des sorgfältigstenStudiums werth, auch bei uns , in unserem auf seine Erfolge und Erfin-dungen so stolzen Jahrhundert, in welchem noch immer viel, sehr viel vonden Römern gelernt werden kann.

§. 130.Streitkräfte und Kriegskunst zur See.

Zur Vervollständigung des Bildes der militärischen Organisation undKriegskunst der Römer in dieser Periode erübrigt noch einige Worte zusagen über den Stand ihrer Streitkräfte und Kriegskunst zur See, undist dies um so mehr erforderlich, da zu dieser Zeit die Römer schon nichtallein auf dem Festlande, sondern auch auf dem Meere thätig erscheinen,und mit nicht minderem Erfolge und Ruhme.

Bis zum ersten punischen Kriege mit den Völkern Italiens im Kampfe.

Galitzin-, Allgem.Kriegsgeschichte. 1,2.'