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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 2 (1874) Vom Tode Alexander's des Grossen bis zum zweiten punischen Kriege : (218 v. Chr.)
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128 III. Vom Tode Alexancler's d. Gr. bis zum zweiten punischen Kriege.

genaue Ineinandergreifen aller Bestandteile der Legion, bricht bewun-dernd in die Worte aus: »Die Einrichtung der Legion kann nur durcheine höhere libermenschliche Weisheit eingegeben sein!« Und FlaviusJosephus ergeht sich über diesen Gegenstand in noch stärkeren Aus-drücken : »Wenn man bedenkt«, sagt er, »in welchem Maasse die Römerdie Kriegskunst erlernten, so muss man zugeben, dass die Höhe der Macht,welche sie erreichten, nicht eine Gabe des Glückes, sondern ein Lohnihrer Weisheit war. Sie warteten nicht den Krieg ab, um sich mit derFührung der Waffen zu beschäftigen; nicht etwa begannen sie, imSchoosse des Friedens schlummernd, die Hände erst dann zu rühren,wenn sie die Notwendigkeit dazu zwang; niemals unterbrachen sie ihrekriegerischen Uebungen, als ob sie mit den Waffen in der Hand geborenund die Waffen ein Bestandtheil ihrer leiblichen Glieder gewesen wären,

und diese ihre kriegerischen Spiele sind eigentlich nur ein wohldurch-dachtes Studium der Kampfesformen. An jedem Tage führt ein jeglicherKrieger Proben seiner Kraft und seines Muthes aus, und deshalb bringendie wirklichen Kämpfe ihm nichts Neues oder Schweres; gewöhnt, ihreGlieder im Gefecht zusammenzuschliessen, kennen die römischen Soldatenüberhaupt keine Verwirrung und Unordnung bei sich, niemals verdunkeltSchreck oder Furcht ihren Blick und Verstand, niemals besiegt Er-müdung ihre Kräfte. Sie sind des Sieges gewiss, denn sie wissen sicher,dass sie nur mit Feinden zu thun haben, die ihnen nicht ebenbürtig sind,und können sich, wie man zugeben muss, darin nicht täuschen, dennihre Uebungen sind Schlachten ohne Blutvergiessen, und ihre Schlachten

blutige Uebungen.« Wir bemerken, dass die Männer, welche diesaussprechen, nicht etwa Heiden waren, sondern der Eine (Vegetius) einChrist, und der Andere (Flavius Josephus) ein Jude. Wie nun gargriechische und römische Schriftsteller sich über diese Punkte äussern,das kann man sich ungefähr nach den angeführten Worten des Vegetiusund Flavius Josephus vorstellen. Titus Livius wirft u. A. (im 9. Buche,Kap. 1720) die höchst interessante Frage auf, was wohl gewordenwäre, wenn Alexander d. Gr. weitergelebt und, seine Eroberungen vomOrient nach dem Abendlande wendend, mit den Römern zusammen-gestossen wäre, und stellt bei dieser Gelegenheit ausführliche Unter-suchungen an, wer von ihnen den Sieg erlangt haben würde. In derThat ist die Frage von Interesse und Bedeutung und gieht Anlass zueiner Vergleichung der Griechen mit den Römern bezüglich ihres Kriegs-wesens im Allgemeinen. Die Griechen standen vermöge ihrer Bildungentschieden an der Spitze der Civilisation des Alterthums und übertrafendarin alle Völker desselben, auch die Römer. Ein ausserordentlich scharf-sinniges Volk, hatten sie die Kriegskunst nicht nur praktisch vervoll-kommnet, sondern auch eine vollständige Theorie derselben, oder die