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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 2 (1874) Vom Tode Alexander's des Grossen bis zum zweiten punischen Kriege : (218 v. Chr.)
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20. Die Römer. 127

schritt entwickelnd, machten die Römer die ganze praktische Schule derErfahrungen in Kampf und Schlachten, in allen Zweigen, Formen undBeziehungen des Krieges durch. Und schon nach dem zweiten punischenKriege gingen sie aus derselben hervor vollkommen im Stande, denKampf, man kann sagen, gegen die ganze damals bekannte Weltaufzunehmen. Aber auch dann blieben sie nicht auf dem Wege halten,sondern schritten zu immer höherer Vervollkommnung fort, deren höchsteStufe sie in der folgenden finsteren Periode der letzten unruhigen Zeitender römischen Republik erreichten. Ihre militärische Organisation undEinrichtungen dagegen erlangten in dieser Periode die höchste Stufeihrer Entwickelung, begannen aber in der folgenden schon zu verfallen.So umschliessen denn diese beiden Perioden, jede in ihrer Weise, zu-sammengefasst drei Jahrhunderte der höchsten Entwickelung undVervollkommnung der Kriegsorganisation und Einrichtungen bei denRömern und damit zugleich und demzufolge der grössten Entwickelungihrer staatlichen Macht und Stärke und der Erweiterung der Grenzenihres Reiches vom atlantischen Ocean bis ins Innere von Asien. Schonwährend der vorliegenden Periode bis zum Beginn der Bürgerkriegeunterwarfen sie ganz Italien, die Inseln Sicilien, Sardinien und Corsica,bedeutende Theile von Gallien, Spanien und Afrika, und endlich Illyrien,Macedonien und Griechenland, obgleich nach schweren, anstrengendenund blutigen Kriegen und nicht selten nach Niederlagen und Gefahren,welche die ganze politische Existenz des römischen Staates bedrohten,so von Seiten der Gallier, des Pyrrhus und besonders Hannibal's. Wennmau mit Aufmerksamkeit nach den Ursachen dieses Triumphes ihrerWaffen über alle ihre Gegner forscht, so muss man zu der Ueberzeugunggelangen, dass sie in der aussergewöhnlichen und entschiedenen Ueber-legenheit der Römer über alle damaligen Völker lagen, und zwar nichtin der einen oder anderen Form der Kriegsorganisation, Einrichtungenund Kunst besonders, sondern ihrer aller gemeinschaftlich, inihrer erstaunlichen Uebereinstimmung und Verbindungunter einander, in ihrem Ineinandergreifen, und ihrer Con-centrationaufdasselbe gern einsame Hauptziel, nach welchemschon Alexander d. Gr. gestrebt hatte, das aber erst die Römer erreichten,nämlich die Eroberung der damals bekannten Welt! Manmuss in der That über den tiefen Verstand und praktischen Sinn er-staunen, mit welchem bei den Römern alle Theile ihrer militärischenOrganisation und Einrichtungen, von den wichtigsten bis auf die un-bedeutendsten, und alle in ihrer Gesammtheit durchdacht und diesemZiele zugekehrt waren. Es ist nicht zu verwundern, dass sowohl imAlterthum, wie in der neueren Zeit sie enthusiastische Bewunderer undbegeisterte Lobredner gefunden haben. Vegetans, erstaunt über das