126 HI. Vom Tode Alexiinder's d. Gr. bis zum zweiten pimisclien Kriege.
in der Schlacht auf die Initiative legten und auf äusserst energische An-griffsoperationen mit concentrirter Kraft, um womöglich gleich einenEntscheidungskampf im offenen Felde herbeizuführen, so warfen dieKömer sogleich ihre Armeen aus den eigenen Grenzen auf feindlichesGebiet direct dahin, wo sich das feindliche Heer befand, und suchten miteinem Schlage es zu vernichten, oder auf andere Weise ihm einen ent-scheidenden Schlag beizubringen. Hierbei kam ihnen die geringe nume-rische Stärke ihres Heeres, die Beschränkung ihrer Bagagen, die un-gewöhnliche Leichtigkeit und Schnelligkeit ihrer Bewegungen und be-sonders die Gewohnheit, jede Nacht in einem befestigten Lager zuzu-bringen und sich vor oder nahe bei demselben zu schlagen, ausserordentlichzu statten, — und es waren dies lauter Vorzüge, die selbst die Griechennicht hatten. In jedem verschanzten Lager besassen sie eine Art vonbeweglicher Festung, die mit den darin aufgehäuften Kriegsvorräthenein festes und solides Vertheidigungsobject darbot; deshalb hatten dieRömer nicht nöthig, in ihrem Kücken in der ganzen Gegend oder demganzen Lande besondere Orte als Operationsbasis, oder Operationslinienvon dorther, oder Verbindungen mit denselben festzuhalten und sie undihre Flanken und Rücken durch Actionen im Felde oder durch künstlicheHindernisse sicher zu stellen. Dadurch aber hatten sie den Vorzug, injeder beliebigen Richtung gleich rasch, kühn und energisch vorgehen zukönnen. Im Fall einer Niederlage fanden sie stets nahe bei sich einensicheren Zufluchtsort in ihrem verschanzten Lager, und weiter entferntihre eigenen römischen Truppen, gleichsam als Reserven, in den Ländernder Verbündeten und der Tributäre.
Auf diese Weise hatte in der Ar,t und Kunst der Kriegführung derRömer wie aller Völker des Alterthums die Taktik die höchste Be-deutung, unterstützt durch die wesentlichen Hülfsmittel, welche dieFeldfortification bot, oder mit anderen Worten — die Hauptrollespielte der Kampf im offenen Felde, aber gestützt und verstärktdurch das dahinter belegene verschanzte Lager, ein. Kampf, welcher aufdem Schlachtfelde das Loos* der Armeen, Völker und Reiche entschied.Wenn wir somit Alles zusammenfassen, was wir oben über den damaligenStand der Taktik, Lagerkunst, Fortification und Belagerungskunst undüber die Form und Kunst der Kriegführung bei den Römern gesagt haben,so erhalten wir den Totaleindruck von dem Standpunkte der gesammtenKriegskunst bei ihnen, die zu dieser Zeit' sich bereits bedeutend ent-wickelt und vervollkommnet hatte, in der folgenden Periode aber denhöchsten Grad von Ausbildung erlangte und alle übrigen Völker des Alter-thums, auch Griechen und Macedonier vor und nach Philipp und Alexan-der d. Gr., sehr entschieden übertraf. Mehr als sechs Jahrhunderte nacheinander (754—133) sich allmälig und Schritt vor Schritt in stetem Fort-