116 III. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zum zweiten punischen Kriege.
Truppengattungen direct an ihre Plätze, legten Waffen und Gepäck abund machten sich ungesäumt an die Erdarbeiten zur Verschanzung desLagers und dann an das Aufschlagen und die Einrichtung des Innern.War das Lager in der Nähe oder Angesichts des Feindes aufzuschlagen,so rückte ein Theil der Truppen vor zum Schutz der Arbeiten, und dieübrigen Truppen eilten, zuerst die Verschanzung des Lagers herzustellen,um nun erst es aufzuschlagen und im Innern einzurichten.
Hier ist es nothwendig, zuvörderst die allgemeine Gestalt des römi-schen Lagers, seine innere Eintheilung, und die Art und Weise seinerBefestigung anzugeben.
Die castrametatio oder die Lagerbaukunst, bei den Römern im ganzenAlterthum am vollkommensten entwickelt, war nur bei ihnen auf ver-ständige Grundlagen basirt. Seit lange schon hatten sie für die Formihres Lagers ein reguläres Quadrat gewählt, das sie mit Recht zurHerstellung und Aufrechthaltung einer gewissen Regelmässigkeit undOrdnung am passendsten und bequemsten erachteten. Das Lager einergewöhnlichen römischen Consulararmee von vier Legionen erhielt fürjede Seite des Quadrats 2150 Fuss Länge: Die nicht immer gleichenumerische Stärke der Legionen zwang bisweilen dazu, die Länge derSeiten zu vergrössern oder zu vermindern. Das Lager wurde seinerganzen Breite nach durch die via principalis, eine Strasse von 100 FussBreite, in zwei Theile getheilt: die praetentura oder der vordere undgrössere Theil, und die retentura oder der hintere kleinere Theil. Indem ersteren lagerten die Legionen, in dem anderen die Befehlshaber,die Extraordinarii, Ablecti, auch befanden sich in diesem die öffentlichenPlätze für die Versammlungen der Truppen und für verschiedenes Lager-zubehör, die Bagage etc. In der Mitte der Retentura, wenn möglich aufeinem erhöhten Platze, lag das praetorium, ein viereckiger Platz miteiner Seitenlänge von 200 Fuss, in dessen Mitte das Feldherrnzelt undhinter diesem die Zelte der zum Feldherrn gehörenden Chargirten undBedienung aufgestellt wurden. Vor dem Prätorium längs dessen vordererFront und der Hauptstrasse wurden die Zelte der Tribunen und Präfectenaufgestellt, mit der Front nach der von ihnen befehligten Legion, — dieTiefe dieser Zelte betrug 50 Fuss. Zur Rechten des Prätorium, 100 Fussdavon entfernt, lagen die Zelte der Quästoren und ihrer Gehülfen, unddas quaestorium oder der öffentliche Platz, auf welchem der Quästor denTruppen Sold und Lebensmittel verabfolgte, — und zur Linken die Zelteder Legaten, der Contubernales, Mensores etc., und ans forum, oder derfreie, als Markt dienende Platz. Strassen von 50 Fuss Breite trenntendas Quästorium und Forum seitlich von den Zelten der Reiterei unddem Fussvolk der Ablecti, der Freiwilligen und der Veteranen {ablecti,voluntares, et veterani equites et pedites), von welchen die Reiterei die