20. Die Römer. 113
Imperator (imperator = Gebieter) aus, und der Senat erkannte ihmden grossen oder den kleinen Triumph [triumphus, oder ovatio)zu. Bei dem grossen Triumph zog der Feldherr-Triumphator, mit einemLorbeerkranz auf dem Haupt, im Purpur- mit Gold verbrämten Mantel,• in einem prächtigen Triumphwagen in Eom ein. Vor ihm her wurdendie gewonnenen Trophäen getragen, die reichste Beute und Abbildungender von ihm besiegten oder unterworfenen Völker, Provinzen und Städte.Seinen Wagen umgaben die vornehmsten Gefangenen, hinter ihm folgtesein Heer, seine Thaten besingend. Der Triumphzug begab sich directaufsCapitol, wo das ganze Volk dem Jupiter Capitolinus opferte; danachfolgten öffentliche Gastmähler, Spiele und Vertheilung von Geschenkenan Truppen und Volk; Triumphbögen, Säulen und andere Denkmaleüberlieferten der Nachwelt den Namen und die Thaten desTriumphators.
Der kleine Triumph oder ovatio bestand nur darin, dass der Trium-phator allein und ohne Heergefolge zu Pferde in Rom einzog.
Unter den militärischen Gesetzen und Belohnungen sind auch die-jenigen beachtenswerth, welche die Art und Ordnung der Vertheilung derBeute festsetzten, die dem Feinde im Kampfe abgenommen war. Wennder Sieg über den Feind im Felde errungen und sein Lager oder seineStadt genommen war, so wählten die Kriegstribunen eine gewisse AnzahlKrieger aus jeder Centurie, Manipel und Cohorte aus zum Beutemachenund Abliefern derselben an ihre Legion; die übrigen Truppen bliebenwährend dessen unter den Waffen in Ordnung stehen. Die Kriegstribunensammelten die gesammte Beute an einem Orte und leiteten den Verkaufderselben durch die Quästoren und die Vertheilung an die Truppen aufAnordnung des Oberbefehlshabers. Hierbei bekam jeder Soldat nur dieHälfte dessen, was ihm zustand, die andere Hälfte wurde in Haufen ge-legt bei den Legionsadlern oder Standarten. Jede Legion hatte, derZahl der Cohorten entsprechend, zehn Vorraths-Geldbeutel oder Säcke,aus denen ein gewisser Theil zu einem elften Beutet oder Sacke abge-zweigt wurde, welcher zur Bestreitung der Bestattung der gefallenenLegionare diente. An der Vertheilung der Beute in bestimmten abge-grenzten Antheilen participirten alle Bangstufen der Armee, vom Feld-herrn bis zum jüngsten Gemeinen, auch die auf Wache Befindlichen oderzu irgend welchen dienstlichen Verrichtungen Commandirten, und dieKranken.
Für die Vertheilung dieser dem Feinde abgenommenen Kriegsbeuteexistirten überhaupt besondere Regeln oder besser Gebräuche, welchegenau beobachtet wurden. Die Beute wurde nämlich in drei Theile ge-theilt, von welchen der eine für den Staatsschatz, der andere für denOberbefehlshaber, und der dritte für die Unterführer und Soldaten imabgemessenen Verhältniss bestimmt war. Als man aber anfing, Officiere
Galitzin, Allgein. Kriegsgeschichte. I, 2. °