20. Die Körner. 101
soliderer Melodie. Ausserdem dienten die Musikinstrumente bei denrömischen Truppen zur Erzeugung der Grleichrnässigkeü; in den Bewe-gungen; Formationen und Evolutionen im Takte und zur Anregung undAufmunterung der Truppen zum Gefecht und während desselben.
Die Militärmusiker, Hornisten, Trompeter und Tubicinisten, warenauf die verschiedenen Abtheilungen der Legionen (Centimen, Manipeln,Cohorten und Türmen) vertheilt, ausserdem gehörten deren einige zu derganzen Legion, zu dem Heerführer, zu den höheren und niederen Ab-theilungscommandeuren.
Die Fahnen, den heutigen ähnlich, wurden bei den Römern nurals Signale für die Zusammenberufung der Truppen angewendet (s. oben) :für die Front gab es statt dessen bei Fussvolk und Reiterei besondereUnterscheidungs-Feldzeichen [signa] oder Standarten. In der aller-ersten Zeit waren sie höchst einfach, ein Heubündel auf einer Lanzen-spitze*], später, auf einer besonderen Stange getragen, ein geschnitztes■ Bild einer menschlichen geballten Faust (manus) , woher auch der NamemanipUlus (eine Hand voll, d. h. eine Hand voll Soldaten). Aber dasZeichen der Legion war der römische einköpfige silberne oder vergoldeteAdler, der auf einem Schaft getragen wurde, über welchen der Querenach unter dem Adler ein Stück Zeug fFähnchenj von verschiedenerFarbe befestigt war, mit der Nummer der Legion, Cohorte und Manipel.Der Legions-Adler befand sich immer bei der ersten Manipel der Triarierund war dem primipilus derselben (dem ersten Centurio der ersten Ma-nipel) persönlich anvertraut. Deshalb hiessen auch die Linien der Ha-staten und Principes antesignani, d. h. die vor der Legionsstandarte oderAdler Stehenden**). Die Feldzeichen oder Standarten der Cavallerie[vexillum) ***) waren feuerfarben oder hellroth. Die Römer hielten ihreFeldzeichen, besonders die Adler, heilig, hüteten sie sorgfältig und er-achteten deren Verlust für den grössten Schimpf für die Legion. Es kamvor, dass die Führer einer Armee, wenn der Kampf sehr hartnäckig warund die Entscheidung schwankte, die Adler in die feindlichen Reihen zuwerfen befahlen, um dadurch ihre Truppen zur Wiedereroberung der-selben um jeden Preis anzufeuern und den Sieg zu entscheiden.
Die Befehlshaber und Officiere der römischen Legionen undHeere bildeten eine geregelte Hierarchie und Rangstufenfolge.
*) Zu Romulus' Zeiten. Anm. d. Uebers.**) Nach Anderen hiessen die mit der Bewachung der Standarten betrautenElitetruppen (die Standartenwachen) antesignani. Anm. d. Uebers.
1 ***) So hiessen auch die auf dem Feldherrnzelt oder auf dem Admiralschiff auf-gesteckten rothen Fahnen, welche das Zeichen zur Schlacht oder zum Aufbruch ausdem Lager etc. gaben. Anm. d. Uebers.