100 HI. Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zum zweiten punischen Kriege.
für erforderlich hielt. Sie bestanden: für den einzelnen Reiter in Wen-dungen nach rechts, links und Kehrt, im Reiten in Rotten und Gliedern,— und für die Turma in Schwenkungen nach rechts, links und Kehrt,in Bewegungen vom rechten oder linken Flügel, oder aus der Mitte, zuein, zwei, drei und mehr Rotten, oder der ganzen Front, besonders imGalopp (oder Carriere), in der Aufstellung in Decurien oder Türmen inFront mit Intervallen, oder in Colonnen, in Entwicklung der Front undFormation von Colonnen in Abtheilungen, in Bewegungen der ganzenFront nach vorn oder nach dem hinteren Gliede im Kehrt, oder aus denFlanken (in Gliedern) nach rechts oder links etc.
Die beiden römischen Truppen gebräuchlichen Musik-Instru-mente Messen: lituus, tuba, buccina (auch bucina) und comu. — Derlituus (unserer heutigen Trompete oder Clairon entsprechend) war ausdünnem mit Leder bezogenem Holze gemacht, gab einen durchdringendenTon und wurde zu verschiedenen Signalen, namentlich für die Cavallerieund im Gefecht gebraucht. — Die tuba, eine kupferne, dritthalb Fusslange Trompete, gab einen tieferen, vollen und schmetternden Ton undwurde gleichfalls zu verschiedenen Signalen angewandt, kurzen wie ge-dehnten, auf dem Marsche, im Lager und im Gefecht*). — Die buccina[bucina) war unserem jetzigen Jagdhorn ähnlich (französisch cornet, cornetä bouquin) , das comu dem heutigen Waldhorn (französisch cor de chasse).Im Allgemeinen wandten die Römer diese Musikinstrumente zu Signalenfür Ausführung bestimmter Bewegungen in der Stellung unter den Waffenund im Lager an, ferner zum Zusammenrufen der Arbeiter, zur Ankündi-gung der allocutio (der Ansprache des Heerführers an seine Truppen),als Signal zu Stille und Ruhe (gleich dem heutigen Commando: Still-gestanden! oder Signal etc. Achtung!), zur Bekanntmachung vonBestrafungen oder Hinrichtungen, zum Antreten zum Marsch, zur An-kündigung des Beginns der Tages- und Nachtwachen, zur Ablösung derWachen und Posten, zur Wachtparade im Lager, zu Frühstück undHauptmahlzeit etc. Diese Signale waren verschieden, je nach demZweck, die einen kurz und eintönig, die anderen länger und mit mehrerenTönen, sogar ganze Melodien bildend, deren bedeutendste und wichtigstedas sogenannte classicum war. Der Anführer des Heeres hatte allein dasRecht, das classicum blasen zu lassen, aber jeder Anführer konnte habenund hatte in der That oft sein eigenes' classicum, oder Signal mit be-
*) Der lituus, die Zinke, war ein gekrümmtes Signalhorn, die Ulla, Trompete,ein gerades vorzugsweise für die Infanterie gebräuchliches Blasinstrument. Diemittelst der schneckenförmig gewundenen Bucina vom Feldherm aus gegebenenSignale (classicum) wurden durch den Lituus bei der Cavallerie, durch die Tuba beider Infanterie weiter verbreitet. Die betreffenden Bläser hiessen tubicen, comicen,bucinator. Anm. d. Uebers.