•98 III. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zumy zweiten punischen Kriege
schränkten sich keineswegs nur auf gymnastische Uebungen, sonderngaben ihnen eine vollkommen kriegsgemässe Ausbildung, so dass sie mitdem 17. Jahre sofort und vollkommen zum Dienste tüchtig in die Keinendes Heeres eintreten konnten. Sie unterhielten nicht gleich den Griechen.öffentliche Schulen und Lehrer der Kriegswissenschaften, da sie dies fürdie Masse des Volkes unnütz, ja sogar schädlich erachteten in Bezugauf den unbedingten Gehorsam der Soldaten gegen ihre Vorgesetzten undauf die strenge Aufrechterhaltung der Subordination und militärischenOrdnung in der Truppe. Auf diese Weise erzeugten sie, obgleich sie,wie die Griechen, eine Volksregierung hatten und freie Staatsbürger,dabei aber ein hervorragend kriegerisches, energisches und praktischesVolk waren, in ihren Truppen und im Kriegsdienste eine straffe Disciplin,gegründet auf Subordination und Gehorsam, und erreichten zugleich beiallen im Heere Dienenden eine Kenntniss von Allem, was nur praktischund nützlich fürs Gefecht war. Die Vervollkommnung in den theoreti-schen Kenntnissen und Kriegswissenschaften seitens derjenigen jungenBürger, welche durch vornehmen Stand und Geburt ein Anrecht aufAvancement und Auszeichnungen haben konnten, blieb den Familienderselben überlassen: es wurde nur strenge darauf gehalten, dass alleJünglinge unter 17 Jahren sich zur bestimmten Zeit behufs Abhaltungvon kriegerischen Uebungen auf dem Marsfelde versammelten. Hierwurden sie in Gegenwart von Officieren und unter Anleitung erfahrenerKrieger geübt: 1) in der militärischen Stellung, Marsch im richtigenTempo, Lauf, Ersteigung von Mauern und Höhen, einzeln wie in ganzenAbtheilungen, ohne Gepäck und mit Gepäck; 2) im Springen über Gräbenund Hindernisse, Voltigiren und Schwimmen; 3) in der Handhabung derverschiedenen Waffen, — wozu dicke Pfähle in die Erde eingeschlagenwurden, auf welche sie mit Pfeilen schiessen, Wurfspiesse schleudernund mit dem Schwerte Angriffe machen mussten, — in der Deckung mitdem Schilde in jeder Lage des Körpers; bei allen diesen Uebungen warenalle Waffen doppelt so schwer, als die eigentlich gebräuchlichen, damitdiese letzteren im wirklichen Kampfe gegen den Feind gleich so vielleichter erschienen; endlich 4) im Tragen von schweren Lasten, Aus-führung von Erdarbeiten, Aufschlagen von verschanzten Lagern, Angriffund Vertheidigung derselben etc.
Mit ähnlichen, nur noch schwereren, Uebungen wurden auch dieKrieger im activen Dienste beschäftigt, wie im Felde und im Lager, soin den Garnisonen — in den Städten, wobei die sich besonders Aus-zeichnenden Belohnungen in Geld und Geschenken erhielten. Ausserdembeschäftigte das militärische Obercommando, welches mit Recht in derbeständigen Thätigkeit der Soldaten das beste Mittel sah, sie gesund,körperlich und geistig frisch, in guter sittlicher Haltung und in dem