20. Die Römer. 97
Einseitigkeit und Unvollkommenheit beibehalten. Die Körner dagegen,ein hervorragend kriegerisches Volk, waren stets bereit und verabsäumtennie, von anderen Völkern, sogar von ungebildeten, das, was sie dort ankriegerischen Einrichtungen praktisch, nützlich und der Nachahmungwerth befanden, sich sogleich anzueignen. So hatten sie zu verschiedenenZeiten: ihre früheren langen Lanzen gegen die kurzen der Samniten,ihre kurzen Schwerter gegen die längeren, breiteren, zweischneidigender Hispanier, ihre kleinen Schilde endlich gegen die langen gewölbtenSchilde der Sabiner vertauscht; ihre Cavallerie begannen sie nach demKriege mit Pyrrhus nach dem Muster der griechischen Kataphrakten zubewaffnen, und die Aufstellung der Legion in der Form der Phalanx ver-änderten sie in die Formation in Centurien, dann in Manipeln, und end-lich in Cohorten.
Auf diese Weise muss man also im Allgemeinen sagen, dass dieLegion, Taktik und das taktische System der Römer entschieden dergriechischen Phalanx und Taktik Überlegen war. Die Richtigkeit diesesSatzes wird durch die Geschichte und durch die von den Römern beiCynoscephalä, Pydna, Magnesia, Korinth etc. über die Macedonier undGriechen erfochtenen Siege bestätigt. Besonders die Schlacht bei Pydnaliefert den besten Beweis dafür. Die macedonische Phalanx war in demfür sie vortheilhaftesten Terrain, einer offenen Ebene, zum Kampfe auf-gestellt. Der Führer des römischen Heeres, der Consul Aemilius Paullus,der die Schwierigkeit erkannte, xliese gewaltige, tiefe, fest geschlosseneTruppenmasse, die mit Eisen bedeckt und mit langen Sarissen bewaffnetwar, durch einen djrecten Frontalangriff zu überwältigen, befahl seinenLegionen, nach einigen Scheinattaken den Kampf aufzugeben und nurnoch vereinzelte Angriffe in Cohorten zu machen, um die Phalanx zu er-müden und zu verwirren, — und er erreichte seinen Zweck vollkommen,Die Phalanx, den abziehenden Legionen folgend, gerieth in Unordnung,ihre Rotten lösten sich, und die römischen Truppen, in die Lücken ein-dringend, vernichteten die ganze Phalanx.
§. 127.Innere Organisation und Geist der römischen Truppen und Heere.
Von der taktischen Organisation der römischen Truppen und Heereuns zur inneren wendend, müssen wir zu allererst die militärische Aus-bildung und kriegsmässige Uebung erwähnen, welche nicht nur nach demEintritt der römischen Bürger in den activen Dienst, sondern schon vorherstattfand.
Die Römer bereiteten ihre jungen Bürger schon sehr früh, vor dem17. Lebensjahre, zum Kriegsdienst vor, verfuhren dabei aber ganz anders,als die Griechen. Sie lehrten ihnen keine Kriegswissenschaften und be-
G ali t z i n, Allgem. Kriegsgeschichte. I, 2. '