941 III. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zum zweiten punischen Kriege.
Und so wollen wir zuerst die Vortheile und Mängel des römischenSystems, der römischen Taktik und Legion im Allgemeinen betrachtenund dann sie mit der griechischen Form der Phalanx vergleichen.
Die Hauptvortheile der Ersteren waren im Allgemeinen: 1) die Auf-stellung der Legion in drei Linien mit Reserven und der taktischenGliederung", sowohl frontal, als nach der Tiefe (in Cohorten), — 2) diegegenseitige Unterstützung und Ablösung der Linien, vermittelst welcherder Kampf dreimal, und jedesmal mit frischen, älteren und besserenTruppen erneuert werden konnte, — 3) die ungewöhnliche Leichtigkeit,Lenkbarkeit und Beweglichkeit der einzelnen Abtheilungen und derganzen Schlachtlinie, unbeschadet der nothwendigen Festigkeit undKraft derselben, durch welche sie zu aller Art von Evolutionen undFormationen, und in Folge dessen auch zur Action in jeder Art vonTerrain, ebenem wie durchschnittenem, geeignet war, — 4) die Ver-bindung und der wechselseitige Zusammenhang der verschiedenen Trup-pengattungen und Theile in der Legion und Cohorte, wodurch, je nachUmständen, die Eine und die Andere als selbständige taktische Einheitenaufzutreten vermochten, — endlich 5) zu alledem noch die ausgezeichneteBewaffnung und taktische Ausbildung der römischen Krieger. Die Speereder Hastaten (später der Principes), plötzlich und auf einmal auf dienächste Entfernung (zehn bis zwölf Schritt) geschickt geworfen, brachtengleich bei Beginn des Kampfes den Feind in Verwirrung und Unordnung,der unmittelbar darauf erfolgende allgemeine, rasche und heftige Angriffmit dem Schwerte vervollständigte die Niederlage des Gegners. Wennder Feind dem ersten Choc und Stoss Stand zu halten und ihn abzuweisenvermocht hatte, so musste er nach einander noch einen zweiten unddritten Angriff, einer immer heftiger als der andere, aushalten. Dieswaren die drei gewaltigen Stösse der drei Linien der Legion, die aufeinander folgten, wie die Schläge des Hammers auf den Amboss. Dieschachbrettförmige Aufstellung der Manipeln, und später der Cohorten,erleichterte während dessen die Abwechslung der Linien und das Vor-brechen der Attaken, verhinderte zugleich den Feind, in die Intervalleeinzudringen, und wenn er dies dennoch und mit Erfolg versuchte, sokonnte die Verwirrung einer oder mehrerer Manipeln keinen besonderswichtigen Einfluss auf die ganze Linie der Legion und auf das Schicksaldes Kampfes haben; für -unvorhergesehene äusserste Fälle aber war inden Extraordinarii und Ablecti immer noch eine hinreichende Reservevorhanden.
Trotz alledem hatte, wie schon bemerkt, die Aufstellung in Manipelnnicht unwesentliche Mängel gezeigt, namentlich durch die Zersplitterungder Truppen in kleine schwache Theile, welche in den Kämpfen mitsolchen Völkern, wie die Gallier und später die Hispanier, verderblich