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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 2 (1874) Vom Tode Alexander's des Grossen bis zum zweiten punischen Kriege : (218 v. Chr.)
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20. Die Eömer. 93

§. 126.Die römische Legion und römische Taktik, ihre Vorzüge und Mängel;Vergleich derselben mit der griechischen Phalanx und griechischen

Taktik.

Aus dem oben Gesagten kann man sich einen allgemeinen Begriffvon den Vorzügen und Mängeln der taktischen Formationen der römischenTruppen und Heere in dieser Periode bilden, im Verhältniss zu den Völ-kern, mit welchen die Römer in dieser Zeit Kriege führten, und nament-lich zu dem Volke, welches in dieser Hinsicht in der alten Welt den ent-schiedenen Vorrang hatte, nämlich zu den Griechen, mit welchen dieRömer zum ersten Male in den Kriegen mit Pyrrhus in Italien, und dannspäter in Macedonien und Griechenland zusammenstiessen. Bis zu diesemZusammenstoss hatte in den Kriegen mit den Völkern Italiens, sogar indem langwierigen und hartnäckigen Kampfe mit den kriegerischen,tapferen und nicht ungeschickten Samniten und mit den nichtitalischenhalbwilden, aber kriegerischen, tapferen und Furcht erregenden Galliern,endlich auch mit den Karthagern im ersten punischen Kriege dietaktische Formation der römischen Truppen und Heere unzweifelhaft einentschiedenes Uebergewicht bewahrt, obgleich es auch nicht ohne Lehren,zum Theil sogar recht schwere Lehren, abgegangen war. Die Römerwaren aber nicht das Volk, an welchem solche, wenn auch noch so grau-same Lecrionen vergeblich und ohne Folgen vorübergegangen wären.Im Gegentheil, je härter diese trafen, um so grösseren Nutzen zogen dieRömer für sich daraus, und die ganze Kriegsperiode von 343, dem An-fang des ersten Samnitenkrieges, bis zu dem Kriege mit Tarent undPyrrhus (282272), und besonders von diesem letzteren an bis zumnumantischen Kriege einschliesslich (140133) war für die Römer einevorzügliche praktische Schule des Krieges, in welchem ihre taktischeKunst wuchs, sich entwickelte und so sehr erstarkte, dass sie nun aufdieser festen und dauerhaften Grundlage sich mehr und mehr hob, sichweiter und höher ausdehnte und rasch und leicht zur Unterwerfung derhalben damals bekannten alten Welt durch die Römer führte.

Die interessanteste Erscheinung aber in dieser Periode bildet, inkriegerischer Beziehung überhaupt und in taktischer besonders, dererste Zusammenstoss der Römer mit den Griechen. Zum ersten Malestanden sich hier die beiden taktischen Systeme und Formen gegenüber,das alte griechische in der Form der Phalanx, und das neue römischein der Form der Legion, und es ist im höchsten Grade interessantund noch mehr lehrreich, zu verfolgen, auf welcher Seite das Ueber-gewicht war.