20. Die Römer. 91
gleichsam wie vor einer Festung und einem Vertheidigungspunkte. Ausdiesem Grunde blieben auch die grossen und kleinen Bagagen, darunterauch das Gepäck der Soldaten, welches diese während des Marschesselber trugen, im Lager zurück, unter dem Schutz einer besonders dazubestimmten Wache.
Nach Angabe des Polybius und besonders des Vegetius gab es beiden Kömern überhaupt sieben Schlachtordnungen, nämlich: 1) die ge-wöhnliche [fronte lo?iga, quadro exercitu) in Form eines langen Vier-ecks mit langen Fronten, mit parallelem frontalem Angriff; 2) und 3) dieschräge vom rechten oder linken Flügel; 4) und 5) die schräge vonbeiden Flügeln, unter Zurückhaltung des Centrums auf seiner Stelle(ScipioAfricanus bei Ilipa); 6) die gleichfalls schräge, bei welchernur ein Flügel angriff, unter Zurückhaltung des Centrums und des anderenFlügels auf ihren Plätzen; — und endlich 7) diejenige, bei welcherder eine Flügel angriff, das Centrum und der andere Flügelhinter natürlichen Hindernissen sich vertheidigte. Es mussaber bemerkt werden, dass diese sieben römischen Schlachtordnungendes Vegetius, über welche in neuer und neuester Zeit von vielen Schrift-stellern so ausserordentlich viel geschrieben worden, sich eigentlich schonmehr auf die folgenden Perioden der Entwicklung der römischen Taktikund besonders der Kriegskunst beziehen, und dass sie genau genommennur verschiedene Formen der beiden Hauptarten sind: der geradenund der schrägen. In der jetzigen Periode wendeten die Römergrösstentheils die gerade mit frontalem Angriff des Fussvolksan, und nur die Cavallerie ging in des Gegners Flanke undRücken.
Nach erfolgter Aufstellung in Schlachtordnung, wie oben angegeben,erhob, auf das erste Zeichen mit den Trompeten und Hörnern, die ganzeArmee das Schlachtgeschrei [baritus oder barritus) , an dessen mehroder minder lebhaftem und lautem Schall der Heerführer schon den Geistund Standpunkt der Truppen in moralischer Beziehung erkennen und denwahrscheinlichen Ausgang der Schlacht prognosticiren konnte. Bei demzweiten Signal der Trompeten und Hörner ging die ganze Armee vor-wärts, und beim dritten Signal erfolgte der Angriff selbst im Laufschrittunter lautem Geschrei und Anschlagen der Lanzen an die Schilde und beidem Klange aller musikalischen Instrumente, sowohl um den Feind zuschrecken, als um die eigenen Truppen anzufeuern und zu entflammen.
Reihenfolge, Gang und Art des Kampfes waren im Allgemeinen diefolgenden: die Veliten zerstreuten sich vor der Front der Armee und er-öffneten den Kampf, indem sie ihre Wurfspiesse schleuderten und inkleinen Abtheilungen Angriffe machten, um den Feind zu ermüden undin Verwirrung zu bringen. Beim Herannahen der Linientruppen liefen