90 in. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zum zweiten punischen Kriege.
worden, vervollkommneten die Römer diesen Theil ihrer Taktik, und vorAllen erwarb sich hierin besondere Verdienste der berühmte DictatorFabius Cunctator (der Zauderer) nach der Schlacht bei Cannä. Vondiesem Zeitpunkt ab führten die römischen Heere ihre Marckbewegungen,je nach den Umständen, in einer oder mehreren Colonnen, in Rotten,Abtheilungen, in Cohorten, oder in den Linien der Schlachtordnung aus.Vorn, gewissermassen als Avantgarde, marschirten gewöhnlich dieExtra-ordinarii und ein Theil der Veliten, hinter diesen, — wenn die Armeevom rechten Flügel abmarschirte —, die erste Legion der Bundes-genossen, mit ihrer Bagage und einer Arrieregarde hinter sich, dann dieerste römische Legion, gleichfalls mit ihrer Bagage hinter sich, dann diezweite römische Legion, ihren Tross hinter sich, dann die Bagage derzweiten Legion der Bundesgenossen, und dahinter diese ganze Legionmit der Bagage der Arrieregarde, welche an der Queue der gesammtenArmee marschirte und aus denAblecti und dem Rest der Veliten bestand.Bei Marschbewegungen der Armee vom linken Flügel ab fand dieselbeOrdnung nur in umgekehrter Reihenfolge statt. Die Reiterei blieb ge-wöhnlich bei der Bagage und sorgte für die Ordnung bei derselben.Während des Marsches wurden nach vorn und nach den Seiten leichteTruppen und eine grosse Anzahl Späher [speculatores, französisch eclai-reurs) zur Einziehung von Nachrichten über den Feind entsandt. — BeimRückzuge übernahmen die Extraordinarii mit den bei ihnen befindlichenVeliten die Arrieregarde.
So rückten die römischen Armeen von einem Nachtlager zum näch-sten. Die Einrichtung des Lagers, die Aufstellung der Truppen und dieHandhabung des Lagerdienstes durch dieselben wird weiter unten (§. 128)besprochen werden. Hier ist nun noeh die Art des Verhaltens der Römerim Kampfe zu betrachten.
Vor Allem ist zu sagen, dass die Römer, mit .Recht von dem inpltysischer und namentlich in moralischer Beziehung unzweifelhaften underheblichen Vorzuge des Ergreifens der Offensive im Kampfe überzeugt,gegenüber dem Abwarten und der Defensive, — immer die Regel undGewohnheit hatten, zuerst zum Angriff vorzugehen. Die Vorbereitungenzum Kampfe bestanden in Folgendem: Von seiner Absicht, den Feindanzugreifen und ein Gefecht mit ihm zu engagiren, gab der Feldherr derArmee Nachricht, indem er seinen Purpurmantel (s. unten §. 127) vorseinem Zelte aufhing. Auf dieses Zeichen setzten sofort die Truppenihre Waffen in Stand und stärkten sich durch Speise, dann ermunterte ineiner kurzen Ansprache [allocutio) der Feldherr sie zu würdiger undtapferer Erfüllung ihrer Pflicht, und die Armee stellte sich, aus dem Lagervorrückend, vor demselben in Schlachtordnung auf, — die Römer pflegtenstets mehr oder weniger nahe vor ihrem verschanzten Lager zu kämpfen,