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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 2 (1874) Vom Tode Alexander's des Grossen bis zum zweiten punischen Kriege : (218 v. Chr.)
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20. Die Römer. 87

auch ausserhalb Italiens gestellt wurden, war verschieden, je nach denUmständen. Diese Truppen traten aber nicht in den Etat der römischenArmee, sondern bildeten besondere Hülfscorps bei derselben.

Das gewöhnliche römische Consularheer, unter dem Befehl einesConsuls, bestand aus zwei römischen und zwei Bundesgenossen-Legionen,folglich aus 16,800 Mann zu Fuss und 1800 Mann zu Pferde, im Ganzen18,600 Mann, von denen etwa acht Neuntel Fusstruppen und nur einNeuntel Reiter waren, mit andern Worten, die Cavallerie verhielt sichzum Fussvolk wie 1 zu 9. Die Ursachen dieser geringen Anzahl Reitereiwaren : die bergige Beschaffenheit des italischen Landes, der Mangel anPferden darin, welche zum Kriegsdienst tauglich waren, und (wie schonoben gesagt) das höhere Ansehen, in dem das Fussvolk bei den Römernstand. Aber von dem Zeitpunkte an, wo die Römer nach dem zweitenpunischen Kriege auch ausserhalb Italiens Kriege zu führen begannen,vermehrten sie auch allmälig die Anzahl der Cavallerie in ihren Armeendurch berittene Truppen der unter Roms Herrschaft getretenen Völkeroder durch Miethstruppen.

Wenn beide Consuln ins Feld zogen, so beliefen sich ihre vereintenHeere im Ganzen auf 37,000 Mann, bisweilen, aber in seltenen Fällen,auf mehr. So z. B. befehligte in der Schlacht bei Cannä jeder der bei-den Consuln eine Armee von acht Legionen, was zusammen sechzehnLegionen ergab, von denen 80,000 Mann Fussvolk und 7200 Mann Reite-rei waren.

§. 125.Aufstellung und Art der Bewegung und der Action der Truppen.

Die Aufstellung und Kampfart der Legionen in Centurien (s. I. Tb.17. Kap. §. 105) war nur in solchen Kriegen vonVortheil, wo die Römerin bergigem, durchschnittenem Terrain gegen die Völker dieser Land-striche : Etrusker, Latin er, Volsker und Samniten zu kämpfen hatten,Völker, die in Aufstellung und Kampf sich ganz oder fast ganz ebensoverhielten, wie die Römer selbst. In den Kriegen aber mit den Galliern,mit Pyrrhus und seinen Griechen und mit den Karthagern erwies sichdie Formation in Centurien schon als unzweckmässig: die numerischschwachen und unter einander nicht verbundenen Centurien konntennicht erfolgreich gegen den Anprall der grossen zusammengeschlossenenMassen der Gallier, Epiroten und Karthager Stand halten, noch mitVor-theil gegen sie kämpfen. Deshalb änderten die Römer ihre Centurien-formation ab, indem sie ihr mehr Halt und Festigkeit gaben, ohne dabeiauf die früheren Vorzüge der Biegsamkeit, leichten Beweglichkeit undLenkbarkeit zu verzichten, wesentliche Vorzüge, die sie schon ausder Erfahrung der vielen vorhergehenden Kriege schätzen gelernt hatten.