20. Die Römer. 85
Verwendung im Felde und im Kampfe gleichinässig gut geeignet war.Das Linienfussvolk konnte eben so gut als leichtes in zerstreuter Ord-nung mit den Wurfgeschossen kämpfen, das leichte in geschlossenerOrdnung, und die Reiterei zu Fuss.
Die römische Cavallerie war bis zum zweiten punischen Krieg in-clusive dürftiger und schlechter ausgerüstet, als das Fussvolk, nämlich:sie trug keinen Harnisch, hatte ovale Schilde aus dickem Leder, die beimEegen aufweichten, schlechte Schwerter und dünne biegsame Lanzen,beide spröde und zerbrechlich, ausserdem kämpfte sie öfter und besserzu Fuss als zu Pferde. Deshalb stand sie auch an Güte der ReitereiHannibal's sehr nach, sogar der macedonischen und griechischen. Aberdie Römer, stets darauf bedacht, ihren Truppen die besten Einrichtungenzu schaffen, säumten nicht, die Erfahrungen des zweiten punischen undder macedonischen Kriege sich zu Nutze zu machen und vervollkomm-neten dieAusrüstung und Organisation ihrer Cavallerie nach dein Musterder besten damaligen Reitertruppen. Sie gaben ihr Helme und Harnische,dieselben Beinschienen, wie bei der Infanterie, für beide Füsse, mitHalbstiefeln, Wurfspiesse und starke, zehn bis elf Fuss lange Piken, diean beiden Enden mit Spitzen beschlagen waren (unten gleichsam zurReserve), und endlich krumme, sehr feste und scharfe Säbel. Und schonim ersten macedonischen Kriege kam die auf diese Weise bewaffneterömische Reiterei nicht nur der macedonischen und griechischen gleich,sondern sie übertraf sie bereits im Gebrauch der blanken Waffe. In allenübrigen Beziehungen aber war sie stets mehr oder weniger von mittel-mässiger Güte, und zwar ebensowohl deshalb, weil sie sich aus dem mehrverweichlichten Stande der Ritter rekrutirte, als deshalb, weil die Römerüberhaupt höheren Werth auf die beste Bewaffnung und Organisationihres Fussvolks legten, das sie als die eigentliche Stärke ihrer Heereansahen, als auf ihre Cavallerie, welche sie erst in zweiter Linie und nurals Hülfstruppe für die Infanterie rechneten. Uebrigens richtete derjüngere Scipio sein Hauptaugenmerk auf gute Organisation und kriegs-wichtige Ausbildung der römischen Reiterei und sie verdankte ihm indieser Hinsicht sehr viel.
Zu den Gründen der Unvollkommenheit der römischen Cavallerieüberhaupt muss man noch die Mangelhaftigkeit des Pferdegeschirr-zeugs hinzurechnen. Bei deti Römern, wie bei allen Völkern des Alter-thums, gab es weder Sattel, noch Steigbügel (sie wurden erst viel spätereingeführt, die Ersteren unter Theodosius d. Gr., gegen Ende des viertenJahrhunderts, — die Letzteren im sechsten Jahrhundert n. Chr.). Stattdessen lagen auf jedem Pferde zwei Decken (oder Schabracken), eineuntere und eine obere, aus Tuch oder Leder oder Pelzwerk, welchedurch Sattelgurt, Brust- und Schwanzriemen festgehalten wurden. Die