19. Die Karthager, j 69
sich losrissen und mit Agathokles sich vereinigten, dessen Macht dadurcherheblichen Zuwachs gewann. Karthago gerieth hierdurch in solche Ge-fahr, dass eilends an Hamilkar der Befehl geschickt wurde, so rasch alsmöglich mit Heer und Flotte aus Sicilien der Hauptstadt zu Hülfe zukommen. Aber es war schon zu spät: Hamilkar hatte sich vergeblichbemüht, Syrakus durch Belagerung zur Uebergabe zu zwingen; die Syra-kusaner übergaben sich nicht, vertheidigten sich vielmehr standhaft,brachten bei einem Ausfall das ganze Heer Hamilkar's in Verwirrung,wobei er selbst gefangen wurde, tödteten ihn und sandten den abge-schlagenen Kopf an Agathokles, der ihn in das karthagische Lagerwerfen Hess und die Nachricht aussprengte, dass das ganze Heer desHamilkar geschlagen sei, obgleich Hamilkar's Nachfolger, Xenodikusvon Agrigent, die Belagerung von Syrakus nicht aufgehoben, sondernfortgesetzt hatte, aber bald darauf gezwungen ward, abzuziehen (309).
Solchergestalt hatte des Agathokles tollkühnes Unternehmen wideralles Erwarten einen Erfolg gehabt, der Syrakus rettete, das schutzloseund ohnmächtige Karthago aber an den Band des Verderbens brachteund es für seine Existenz schon zittern machte! In diesem Moment abertrat ein merkwürdiger Zufall in der Armee des Agathokles ein, der fürihn fast zum Verderben ausgeschlagen wäre und Karthago rettete. Archa-gathus hatte im Jähzorne einen der ersten Unterfeldherren, Lyciskus,erschlagen, der in der Trunkenheit ihn mit Worten beleidigt hatte. Diedem Erschlagenen sehr zugethanen Soldaten forderten die Hinrichtungdes Mörders, und als Agathokles sich dessen weigerte, wählten sie sicheinen anderen Führer und waren im Begriff, von Agathokles sich loszu-sagen. Dieser hielt ihnen eine kräftige und ergreifende Anrede, drohtedie Herrscherwürde freiwillig niederzulegen, stellte ihnen das Gefahrvolleihrer Lage vor, brachte sie wieder auf seine Seite, und so gelang es ihm,die drohende Empörung zu beschwichtigen. Diesen Moment benutzend,liess er Archagathus mit einem Theil des Heeres in Tunes und brachselbst mit 8000 Mann zu Fuss und 800 Mann zu Pferde unverweilt gegendas karthagische Heer auf, griff es an und schlug es (308). Da aber seinHeer schon grosse Verluste an nach griechischem Muster formirten Söld-nern erlitten hatte, so verfiel er zur Beschaffung von Ersatz hierfür auffolgendes feige und ehrlose Mittel: er sandte seinen Sohn Heraklides zuOphelias, einem Feldherrn des Ptolemäus von Aegypten und Statthalterdesselben zu Cyrene, der sich gegen Ptolemäus aufgelehnt und sich zumselbständigen König erklärt hatte. Heraklides hatte den Auftrag, demOphelias zu erklären, dass, wenn er sich mit Agathokles vereinigenwolle, er das ganze karthagische Meeresufer Afrikas in seine Gewaltbekommen werde, da Agathokles selbst keine Eroberung für sich zumachen, sondern nur Siciliens Sicherheit gegen Karthago zu schützen