Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 2 (1874) Vom Tode Alexander's des Grossen bis zum zweiten punischen Kriege : (218 v. Chr.)
Entstehung
Seite
68
Einzelbild herunterladen
 

68 III. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zum zweiten punischen Kriege.

der in der Stadt zurückbleibenden mit, steckte sie in sein Heer, con-fiscirte das Vermögen der Waisen, borgte mit Gewalt bei den Kauf leutengrosse Summen Geldes, plünderte die Tempel vollständig aus, undmachte endlich, um zu erfahren, wer noch im Besitz von Geld sei, be-kannt, dass ein Jeder, der sich vor den Mühsalen, Entbehrungen undGefahren einer Belagerung fürchte, die Stadt verlassen dürfe, erklärtedann aber Alle, die den Wunsch äusserten, von dieser Erlaubniss Ge-brauch zu machen, für Verräther, Hess sie hinrichten, bemächtigte sichihres Vermögens und stellte ihre Sklaven in sein Heer! Von dem so zu-sammengeraubten Gelde bemannte er 60 Galeeren, liess seinen BruderAntander in Syrakus mit einem Theile der Truppen zurück, schiffte sichselbst mit seinen beiden Söhnen Archagathus und Heraklides auf denGaleeren ein und, einen Augenblick benutzend, wo die karthagischeFlotte zufällig die Ausfahrt des Hafens freiliess, stach er in See undsteuerte der afrikanischen Küste zu. Die karthagische Flotte begann ihnschleunigst zu verfolgen, erreichte ihn aber erst, als er schon am afrika-nischen Strande gelandet war. Um seinen Truppen jede andere Möglich-keit der Kettung, als durch Sieg oder Tod in der Schlacht, zu nehmen,wahrscheinlich auch, um seine Flotte nicht in die Hände der verfolgendenKarthager fallen zu lassen, verbrannte er sie sogleich selber. Daraufaber, damit seine Truppen nicht erst zu sich kommen und sich besinnenkönnten, führte er sie schleunigst in das Innere des Landes. Hier stiesser nirgends auf den geringsten Widerstand, denn die Karthager hattenden Einfall des Feindes von der See her ganz und gar nicht erwartet.Er bemächtigte sich auf diese Weise leicht und rasch der reichen StadtTimes (das heutige Tunis), einiger anderer Städte und fast des ganzenMeeresufers und bedrängte bald die Karthager von allen Seiten auf ihremeigenen Gebiete, überall plündernd und das Land mit Feuer und Schwertverwüstend.

In Karthago verbreitete sich solche Bestürzung, dass der Senatschon Gesandte mit Friedensvorschlägen an Agathokles schicken wollte,da er annahm, dass Flotte und Heer des Hamilkar in Sicilien zu Grundegegangen wären. Als man die Wahrheit erfuhr, wurden schleunigst dieBürger Karthagos und die Bewohner der Umgegend bewaffnet, eine Zahlvon 40,000 Mann zu Fuss, 1000 Beitern und 2000 Streitwagen zusammen-gebracht und unter Hanno's und Bomilkar's Anführung dem Agathoklesentgegengestellt. Angesichts Karthagos selbst fand der Kampf statt, inwelchem Agathokles, der nur 14,000 Mann hatte, aber nach griechischemMuster wohlorganisirte Truppen, die 41,000 karthagischen Streiter aufsHaupt schlug, welche in Eile zusammengerafft und unorganisirt waren;sie erlitten einen ungeheuren Verlust. Dieser Sieg hatte zur Folge, dassmehr als zweihundert karthagische Städte i;nd Festungen von Karthago