19. Die Karthager. 65
reich niedergeschlagen und theils durch Beute theils durch Gold sich dieAnhänglichkeit seines Heeres gesichert hat, führt er es zu Lande durchAfrika zu der Meerenge, überschreitet diese bei Gades (dem heutigenCadix) und unterwirft nun in neun Jahren, bald mit Gewalt der Waffen,bald durch geschickte Unterhandlungen, einen bedeutenden Theil vonHispanien (236-—227). — Sein Schwiegersohn Hasdrubal unterwarf inweiteren sechs Jahren (227—221) mehr durch Unterhandlungen als mitbewaffneter Hand noch einen grossen Theil Hispaniens dazu und gewanndie spanischen Stämme in solchem Grade für sich, dass, wenn Diodor zuglauben ist, sie freiwillig ihn zu ihrem Anführer wählten. Unter ihmunterwarf sich ganz Südspanien (das heutige Andalusien, Murcia undGranada) den Karthagern, und als Mittelpunkt der Macht und EegierungKarthagos in demselben wurde am Meeresufer von Hasdrubal die StadtNeu-Karthago (heute Carthagena in Murcia) erbaut. Nach Hasdru-bal's Tode (221) erweiterte Hannibal, das von Hamilkar und HasdrubalBegonnene fortsetzend, die Besitzungen Karthagos bis zum Ebro, indemer in drei Jahren (221—219) das heutige Castilien und Valencia unter-warf; in Letzterem lag auf der linken Seite des Ebro die grosse Handels-stadt Sagunt (heute Murviedro), die den Römern verbündet war, unddessen Belagerung, Einnahme und Zerstörung den Anlass zum zweitenpunischen Kriege gab. Auf diese Weise hatten drei begabte, geschickteFeldherren Karthagos, Hamilkar, Hasdrubal und Hannibal, nach einan-der binnen achtzehn Jahren mit leichter Mühe halb Hispanien bis zumEbro unterworfen, sich dauernd darin festgesetzt und daraus eine vor-zügliche Basis für die zukünftigen Kriege gegen Rom geschaffen, —in demselben aber ein auserlesenes kriegstüchtiges Heer herangebildet,dessen Hauptkern die kriegerischen tapfern Hispanier bildeten. Ausserdiesen gehörten zu den Armeen dieser drei Feldherren, wie früher,karthagische Bürger und Afrikaner oder Libyo-Phönizier, gallische undandere Miethstruppen und die numidische leichte Reiterei. Aber beidieser, ganz der früheren entsprechenden Zusammensetzung unterschie-den sich ihre Heere dennoch scharf von allen früheren karthagischen "da-durch, dass sie in fester Disciplin und ausgezeichneter innerer Organi-sation und Verwaltung, in vorzüglichem Geiste und militärischer Ordnungzusammengefügt waren. Mit einem Wort: solche Landarmeen hatteKarthago bis dahin noch nie besessen, und es war, bei dem Verfall derFlotte, sehr natürlich, dass die Macht Karthagos in dem Zeitraum vomEnde des ersten bis zum Ende des zweiten punischen Krieges von demMeere aufs feste Land überging, und von der Flotte auf die Armee inHispanien, aber nicht auf die in Afrika, wo die militärische Organisationdes Staates immer tiefer und tiefer' sank. Die weiteren Details in Bezugauf die Taktik und innere Organisation der Armee Hannibal's zu Anfang
Galitzin, iUlgem. Kriegsgeschichte. 1,2.1 5