64 HI. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zum zweiten punischen Kriege.
Ausführung gelang erst dem Sohne Hamilkar's, Hannibal. Der goldeneStrom aber, der sich seit dieser Zeit aus Hispanien nach Karthago er-goss, brachte nur Verderben, indem er die Verkauflichkeit und all-,gemeine Sittenverderbniss beförderte, die auf das gesammte Staats- undHeerwesen Karthagos eine verhängnissvolle Rückwirkung äusserten.Der innere Hader und Zwist nahm zu und führte zu allgemeinem Zer-würfniss, welches von ausserordentlichem Einfluss auf den zweiten puni-schen Krieg und dessen für Karthago unglücklichen Ausgang war, nachdemselben aber schliesslich im dritten punischen Kriege den gänzlichenUntergang Karthagos herbeiführte.
Alle diese hauptsächlichen und noch viele andere eng damit zu-sammenhängende Ursachen von geringerer Bedeutung hatten zur Folge,dass das Heerwesen des karthagischen Staates nach dem ersten punischenKriege, obgleich es noch dieselben Hauptzüge und äusseren Formen be-wahrte, wie vordem, dennoch in vielen Dingen sich ausserordentlich ver-änderte. Die Flotte, in welcher früher die Hauptmacht gelegen hatte,wurde in dem den ersten punischen Krieg beendenden Frieden von einemharten Schlage betroffen, von dem sie sich eigentlich nicht wieder ganzzu erholen vermochte, sie sank, trotz aller Anstrengungen der karthagi-schen Regierung, sie wieder zu heben, immer mehr und zuletzt so tiefherab, dass, als Scipio Africanus mit einer Flotte nach Afrika ging,Karthago nicht mehr im Stande war, ihm eine eigentliche Flotte ent-gegenzustellen! Und bei dem Friedensschlüsse, mit dem der zweitepunische Krieg endete, ward Karthago ganz und gar seiner Flotteberaubt.
Dafür ging, von der Eroberung Hispaniens an, die Ueberlegenheitbald auf die Land-Streitmacht Karthagos über, deren Hauptcentrum jetztHispanien wurde. Der eigentliche Urheber hierzu war Hamilkar, demman in dieser Hinsicht nur vollkommen Recht geben kann, welchesauch in Bezug auf innere Politik seine Gründe gewesen sein mögen.Sein Gedanke, sich in Hispanien eine feste solide Operationsbasis füreinen Entscheidungskrieg auf Leben und Tod in Italien selbst gegen dasverhasste Rom zu gewinnen, zu diesem Zwecke sich ein in Schlachtengestähltes, ihm, seinem Geschlechte und seiner Partei unbedingt er-gebenes Heer heranzubilden und alles zu einer energischen und durch-greifenden Führung des Krieges Nothwendige vorzubereiten, — verdientdas höchste Lob und zeugt von der hohen Begabung Hamilkar's. Gleichsein erstes Vorgehen von der karthagischen Grenze nach Hispanien offen-bart seinen richtigen und beachtenswerthen Plan, — er verzichtet vonvorn herein auf eine Flotte, nur zum Transport durch die schmale Meer-enge bei den Säulen des Hercules (heute Gibraltar) bedarf er der Last-schiffe. Nachdem er den Aufruhr der karthagischen Soldtruppen erfolg-