19. Die Karthager. 61
war gleich kostspielig und angesehen (unter anderen äusseren ehrendenAbzeichen trugen sie auch Ringe, je nach der Zahl der von ihnen mit-gemachten Feldzüge, welche aber ein ausschliessliches Vorrecht derausgezeichnetsten Reiter waren). In Fällen von besonderer Wich-tigkeit oder Noth waren auch die übrigen Bürger Karthagos verpflichtet,sich zu bewaffnen, und dann brachte Karthago bis zu 40,000 Mann Fuss-volk und 1000 Mann Reiter auf. Ein Theil derselben bildete die reichund schwer bewaffnete heilige Schaar zu Fuss, welche, wie es scheint,die Leibwache der Heerführer ausmachte.
Bewaffnung, Aufstellung und Art des Marsches und Kampfes dereigentlichen karthagischen Truppen, sowohl derer zu Fuss, als derer zuPferde, scheint bei Beginn der sicilischen Kriege vollkommen oder dochnahezu dieselbe gewesen zu sein, wie die bei den italischen und sicili-schen Griechen zu der Zeit der Kriege mit Pyrrhus in Sicilien: nament-lich als der Lacedämonier Xanthippus die griechischen Miethstruppender karthagischen Armee befehligte, während des ersten punischenKrieges (258 oder 257), müssen sie der griechisch-macedonischen sehrähnlich gewesen sein. Nur Hannibal führte im zweiten punischen Kriegenach der Schlacht am trasimenischen See und dann nach der bei Cannäfür einige Zeit bei seiner Armee in Italien die Aufstellung etc. der Römerein. Was die bei der karthagischen Armee befindlichen ausländischenSöldner anbelangt, so behielten sie, wie schon früher bemerkt wurde(I. Th. 16. Kap. §. 102), ihre eigene Bewaffnung und Kampfart bei. Anihrer Spitze standen zu Xanthippus' Zeit, und zwar unvergleichlichbesser als die anderen, die griechischen Miethstruppen, namentlich dasFussvolk. Unter den übrigen zeichneten sich die hispanischen, welchezum schweren Fussvolk gehörten, durch die beste Disciplin aus, diegallischen (es ist unbekannt, von woher sie waren, wahrscheinlich ausden südlichen Küstengegenden Galliens) durch aussergewöhnliche Tapfer-keit, zugleich aber auch durch Wildheit, Rohheit, sogar Bestialität, —die numidische leichte Reiterei durch Raschheit, Kraft und vorzüglicheLeistungen im Felde und in der Schlacht, aber gleichzeitig auch durchUngeordnetheit und Hang zum Plündern. Zu den karthagischen Armeenjener Zeit gehörten auch Einwohner von Italien, so : die Ligurer, Cam-paner, dieBewohner von Sicilien, Sardinien, der balearischen Inseln u. A.— Ausser Fussvolk und Reiterei wendeten bis zu dem Kriege mit Pyrrhusin Sicilien die Karthager in ihren Armeen auch Streitwagen an, in demKriege mit Pyrrhus aber lernten sie von diesem den Gebrauch der Kriegs-elephanten in der Schlacht und führten dies um so rascher und leichterauch bei sich ein, da es in Afrika viele Elephanten gab. In der Folgeveranstalteten sie zu diesem Zweck sogar grosse Elephantenjagden, zudenen die besten Feldherren entsendet wurden, so z. B. Hasdrubal,