50 III. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zum zweiten punischen Kriege.
die anderen auf den übrigen Kriegstheatern in Asien hatten unter sichgar keine Beziehung. Besonders grosse Dimensionen nahmen die Kriegean, welche die Könige von Syrien mit ungeheuren Armeen auf weitenKriegsschauplätzen führten, die Hoch- und Kleinasien und die östlichenund südöstlichen Küsten des Mittelmeeres umfassten. Was den Cha-rakter dieser Kriege, die Art und Kunst, mit der sie im Orient zu dieserZeit geleitet wurden, anbelangt, so kann man sagen, dass sie äusserstinteressant sind und den geregelten Zug haben, wie es von den beidenletzten Feldherren aus Alexander's d. Gr. Schule, — Ptolemäus I. vonAegypten und besonders Seleukus I. von Syrien, — und dann von Ptole-mäus III. Euergetes von Aegypten und schliesslich von Antiochus III.von Syrien zu erwarten. Die anderen Kriege, besonders die der letztenSeleuciden (Antiochus' III. ausgenommen) und der Ptolemäer nehmenmehr und mehr den Charakter an, wie er seit undenklichen Zeiten demalten Orient und besonders den letzten Zeiten der persischen Monarchievor deren Eroberung durch Alexander d. Gr. eigentümlich ist. Ohneuns in die Details derselben einzulassen, wollen wir nur ein allgemeinesBild derselben, historisch geordnet, ihrem gegenseitigen Zusammenhangenach in den Hauptzügen entwerfen.
Die Kriege, welche Seleukus I. Nikator (301—281] mit DemetriusPoliorcetes und dann mit Lysimachus in Klein- und Hochasien führte,wurden schon oben (in den Kriegen Macedoniens und Griechenlands)geschildert. Aber es wird nicht überflüssig sein, hier zu erwähnen, dassSeleukus einen Feldzug nach Indien gemacht hatte, der allerdings schonvier Jahre vor der Schlacht bei Ipsus, im J. 305 v. Chr., beendigt wurdeund keine Kriegs- oder Eroberungszwecke, sondern nur Handelsabsich-ten, Befestigung der Handelsverbindungen mit Indien und Entwicklungdes Verkehrs im syrischen Königreiche verfolgte. Bei diesem Zuge, denSeleukus mit einem grossen Heere unternahm, durchzog er ganz Hochasienbis zum Gangesflusse hin und schloss mit dem mächtigsten indischenFürsten, Sandrakottus, ein enges Bündniss, das lange in Kraft blieb,von beiden Seiten durch häufige Gesandtschaften erneuert wurde undeinen kolossalen Handelsverkehr zwischen Asien und Indien zu Wegebrachte. In kriegerischer Beziehung ist dieser Feldzug dadurch be-merkenswerth, dass Seleukus eine grosse Zahl Elephanten aus Indiennach Asien brachte, deren Kriegsgebrauch sich seit dieser Zeit gegenfrüher sehr verbreitete, und zwar nicht allein in Asien, sondern auch inMacedonien und Griechenland, besonders unter den macedonischen Köni-gen und unter Pyrrhus, durch welchen er sogar nach Italien und Sicilienverpflanzt wurde (s. unten Kriege der Kömer). Nach der Schlacht beiIpsus herrschte Seleukus achtzehn Jahre lang vollkommen friedlich undführte nur während der letzten zwei Jahre (283—282) mit Lysimachus